Die Gladiatoren
Blutige Unterhaltung


Harte Zeiten stumpfen die Menschen ab. Ob Fatalismus, Fanatismus, Burn oder Alkohol – jeder findet sein eigenes Rezept, die aufkochenden Emotionen zu deckeln. Manchmal aber brechen sie sich Bahn, und das kann die gesamte Sippe gefährden. Die Leute brauchen ein Ventil für ihre Ängste.

Dieses Ventil wird ihnen von den Gladiatorensippen gegeben. Sie reisen von Dorf zu Dorf, um gegen Nahrung, Wechsel und Destillat ihr Unterhaltungsprogramm zum Besten zu geben: brutale Ballspiele, Faust- und Ringkämpfe, sogar Grubenkämpfe mit Waffen. Manche treten gegen die eigenen Sippenbrüder an, manche gegen den örtlichen Stall, manche kämpfen gegen die verurteilten Verbrecher, die das Dorfoberhaupt aus dem Zwinger zerren läßt. Wichtig ist nur: es fließt Blut, die Menge tobt, reagiert sich ab – und ist danach wieder eine fromme, lenkbare Herde. Bis zum nächsten Spiel.


Die Kinder der Gladiatoren werden von klein auf trainiert; oft sind bereits Jünglinge und Mädchen harte, gerissene Kämpfer vom Schlag eines Veteranen. Um den Ehrgeiz zu fördern, werden die Kinder zu Konkurrenten gemacht – Essen erhält, wer es sich erkämpft. Oft werden vielversprechende Kinder aus den Siedlungen mitgenommen; nicht immer gehen sie freiwillig. Zorn ist eine gute Basis für einen Gladiator.

Wo soviel Kampfkraft und Aggression auf einem Haufen ist, gibt es meist eine ausgeprägte Hackordnung; wo sie in Frage gestellt wird, fliegen die Fetzen. Verlierer werden oft übel zugerichtet. Die Sippenältesten dulden diese Hahnenkämpfe bis zu einem gewissen Grad: sie machen die jungen Hunde scharf für die Arena.


Kaum ein Grubenkampf geht wirklich tödiich aus, und viel davon ist bloße Show: Klappern gehört zum Handwerk, und man kann es sich nicht leisten, wertvolle, ausgebildete Kämpfer zu verlieren. Trotzdem ist das Risiko immer da, den Ring als Krüppel zu verlassen. Hier ist die Sippengemeinschaft gefragt: Versehrte Kämpfer werden zu Wundärzten, Pflegern, Ringrichtern und Ausbildern. Insbesondere die Ärzte stehen hoch im Kurs: sie müssen die Verlierer (und oft die Sieger) wieder zusammenflicken.
Andere, die nicht die entsprechenden Fähigkeiten besitzen, müssen sich der Sippe anderweitig nützlich machen: eine malerische Sammlung von Krüppeln verrichtet die Drecksarbeit, die keiner sonst tun will, versorgt Pferde, kocht Essen, reinigt und flickt die Ausrüstung, baut Zelte auf und ab.

Letztendlich hoffen alle Kämpfer, ein Vermögen zu machen, bevor ihnen das Alter in die Knochen zieht oder zuviele Verletzungen ihnen zu schaffen machen. Für die meisten bleibt dies ein unerreichbarer Traum: sie bäumen sich am Ende ihrer Karriere noch einmal verzweifelt auf, nehmen Glorie-Burn, geben im Ring alles. Wehe dem jungen Aufsteiger, der ihnen in dieser Phase vor die Fäuste kommt! Doch vergebens. Wenn die Sippe sie nicht auffängt, enden sie zuletzt in der Gosse und verhungern.


Viele der etablierten Gladiatorensippen haben Vereinbarungen mit einer
Apokalyptiker-Schar, die ihre Kämpfe ausrichtet und an den Wetten verdient. Es gibt auch ganze Scharen, die selber ihre Raubkrähen oder Gefangenen in den Ring schicken.


Zur Darstellung eines Gladiators empfiehlt sich körperbetonte Kleidung, die dem Publikum die prachtvollen Muskeln zeigt. Viel davon ist aus strapazierfähigem Leder – die Kleidung muss im Ring einiges aushalten. Rüstungen sind oft mehr Zierde als echter Schutz: mit Zacken besetzte Schulterstücke, Armreifen oder breite Gürtel. Grobe Piercings aus Tierzähnen und großflächige Tätowierungen wirken wild und ungezähmt; farbige Accessoires erwecken das Flair von Schaustellern und Gauklern. Man muss den Leuten Abwechslung von ihrem grauen Alltag bieten, auffallen, das Bild eines urtümlichen Kämpfers abgeben!