Die Gelehrten
Dem Urvolk auf der Spur


Das Urvolk hat den Menschen der Endzeit eindrucksvolle Ruinen und Schrottfelder hinterlassen. Man kann ihre einstige Größe noch erahnen, auch wenn der Zahn der Zeit vieles davon angenagt und verschlungen hat. Was für Menschen müssen das gewesen sein, die mit ihrer Technik (oder Magie?) Fluggeräte gebaut und den Himmel bezwungen haben, deren Philosophie sie auf eine Stufe mit den Göttern stellte?

Doch diese Tage sind lange vergangen. Das Wissen der Altvorderen ging verloren oder verzerrte sich in obskuren Sippenüberlieferungen zur Unkenntlichkeit. Der Eshaton vernichtete Bibliotheken und riss ganze Nationen zurück in die Steinzeit.

Die meisten Menschen versuchen nur zu überleben. Was schert einen die Größe von einst, wenn das eigene Auskommen davon abhängt, ob der verdammte Pilz die kümmerliche Ernte befällt oder nicht? Erst kommt das Fressen und die Sicherheit, bevor man sich mit irgendwelchem esoterischen Scheiß aus der Vorzeit befasst.

Gelehrte gibt es dennoch, die einen Teil des alten Wissens ausgegraben oder bewahrt haben. Meist gehören sie reicheren Sippen an, die sich kostspielige Forschungen leisten können. Für viele ist es eine Manie, die sie alten Schriften nachjagen lässt. Sie reisen kreuz und quer durch das endzeitliche Europa, rüsten Karawanen aus, beauftragen
Schrotter, befragen Sipplinge, durchforsten alte Bibliotheken und graben in Ruinen – immer auf der Suche nach dem einen Puzzlestück, das ihre Sammlung zu einem stimmigen Ganzen zusammenfügt.

Im Ödland werden sie misstrauisch beäugt, gemieden, ausgegrenzt. Man betrachtet sie als Sonderlinge, vielleicht sogar als Hexenmeister! Aber gerade wenn ihr Wissen eine praktische Komponente hat, kommt man in der Not zu ihnen, damit sie Wunderdünger produzieren oder urvölkische Waffen bauen. Dabei sind die meisten von ihnen Pazifisten, die darin einen Missbrauch der Wissenschaft sehen.


Spitalier und Chronisten, zwei Kulte, die ebenfalls großes Interesse am Wissen der Vergangenheit haben, sind sowohl Auftraggeber als auch gefährliche Konkurrenten der Gelehrten. Naturgemäß sind beide Gruppierungen auf ihr Monopol bedacht und nicht zimperlich, wenn es darum geht, gefährliche Aufklärer auszuschalten. Ebenso sind sie allerdings auch immer am Wissen der Gelehrten interessiert, was einen regen Austausch ermöglicht.


Nur begüterte Familien könnn sich ein solches Hobby leisten. Ein Gelehrter wird daher in vielen Fällen sichtlich teure, aber robuste Reisekleidung tragen. Bizarre Apparaturen, schimmelige Bücher und Mappen von Papieren sind ihre ständigen Begleiter. Alles, was den Intellekt fordert, passt gut zu einem Gelehrten: ein Schachspiel aus Metallteilen oder ein alter Rubikwürfel. Die Nickelbrille darf ebenfalls nicht fehlen.

Manche Gelehrte haben gelernt, sich zu verteidigen und betreiben Archäologie im Stil eines Indiana Jones; die meisten jedoch sind behütet aufgewachsen und besitzen kaum Kampf- oder Überlebensfertigkeiten. Ihr Mangel an elementarer Vorsicht treibt ihre Leibwächter in den Wahnsinn.