Die Degenerierten
Ausgestoßen und verfemt


Ob es die Reste chemischer Verseuchung oder jahrhundertelange Inzucht waren, ob Isolation in Bunkern, Kannibalismus oder Mangelernährung, oder der Primerpilz – es hat die Suppe ihrer Gene verändert. Meist nicht zum Besseren. Sie sind anders als die anderen. Riesen- oder Zwergwuchs, zusätzliche Finger, triefende Augen, zahnlose Mäuler, kalkweiße oder fleckige Haut, Schwachsinn oder schreckliche Intelligenz: die Menschen finden sie abstoßend, schreiben ihnen den bösen Blick zu. Ist das ansteckend? Bleib bloß weg!

Es gibt in den Ruinenfeldern ganze Sippen mit relativ stabilen Degenerationen; andere Degenerierte sind Einzelfälle, die wegen ihrer Fremdartigkeit von der eigenen Gemeinschaft schon als Kinder ausgesetzt wurden. Viele von ihnen leben in der Nähe von Sporenfeldern, sind selbst stark versport; gerade diejenigen, denen der Primer die Gene vermurkst hat, verspüren oft ein verzweifeltes Verlangen, sich im Chakren-Kollektiv zu verlieren. Doch ihre allzu menschliche Natur verschließt ihnen das letztendliche Aufgehen – sie sind keine Psychonauten. Sie hören ein schwaches Echo des Noumenon, aber sie verstehen nicht. Der Primer klopft an ihre Tür, treibt sie in den Wahnsinn, aber sie können sich ihm nicht überlassen.

Der Hass und die Verachtung der Menschen treiben sie zu Herden. Eine eigenartige Solidarität kennzeichnet die Sippen und Bruderschaften, geboren aus der Unterdrückung. Man hilft sich gegenseitig, die körperlichen Mängel auszugleichen, die angeekelten Blicke der Menschen zu ertragen, der Verfolgung durch
Spitalier und Wiedertäufer zu entgehen.

Viele Sippen leben verborgen in der Ödnis oder in alten Ruinen, wo sie vor der Verfolgung sicher sind; andere bilden eine Klasse von getretenen Untermenschen in den Städten. Sie kehren den Müll, putzen Schuhe oder tragen Lasten; oft werden sie als Sklaven gehalten, beleidigt und bespuckt.

Eine besondere Art sind die
Bleicher, die Nachkommen eines Bunkervolks, das in der lichtlosen Tiefe degenerierte.