Schatten gesucht!

Liverollenspiel kann eine intensive Erfahrung sein. Man geht in einer Rolle auf, teilt Freude und Leiden mit seiner Spielfigur. Beim Endzeit-LARP liegt der Schwerpunkt klar auf dem Leid, denn wir bespielen eine kaputte Welt, wo Erfolg sich nur darin bemessen lässt, wie weit man das Unausweichliche in die Zukunft verschieben kann. Es ist ein sehr persönliches Spiel – und auch ein Spiel darum, was Menschen einander antun können. Gut, dass es nur ein Spiel ist.

Unter den Spielern gibt es solche, die bewusst an ihre Grenzen gehen wollen. Wie lebt es sich in einer Zeit des Hungers, der Kälte und des Mangels? Wie fühlt es sich an, einem gespielten Verhör unterzogen zu werden? Diese Spieler setzen sich bewusst den physischen und psychischen Leiden der Endzeit aus.

Aber auch für die weniger extremen Spieler gibt es Härtepunkte. Die Atmosphäre in einem alten Bunker ist düster, oppressiv und klaustrophobisch. Bunkerkoller ist eine natürliche Reaktion. Und auch in normalen Spielsituationen kann es vorkommen, dass man einfach müde und gestresst ist und am besten das Spiel abbricht. Nicht jeder erkennt allerdings die Anzeichen rechtzeitig bei sich selbst.




Wer am Abgrund tanzt, sollte ein Fangnetz haben.

Für zukünftige Cons möchten wir deshalb einen Pool von Freiwilligen aus der Spielerschaft bilden, die sich bereiterklären würden, für einen neuen oder noch unsicheren Spieler zum Aufpasser ("Schatten") zu werden. Spieler mit Einfühlungsvermögen sind hier natürlich besonders gefragt, ebenso wie solche, die innerlich gefestigt sind und eine gewisse Belastbarkeit und Lebenserfahrung mitbringen..

Der Schatten spielt ganz normal seine Rolle. Er übernimmt nur freiwillig die zusätzliche Aufgabe, von Zeit zu Zeit nach dem (realen, nicht gespielten) Befinden seines Schützlings zu sehen. Wenn ihm seine Rolle erlaubt, mit dem Schützling in intensiven Spielkontakt zu treten, um so besser – dies ist aber nicht unbedingt Voraussetzung. Auch im normalen Spiel ergeben sich ständig Situationen, die ein kurzes Abhorchen erlauben.

Selbstverständlich kann der Schatten sich jederzeit von der Spielleitung Hilfe einholen, wenn er in einer Situation das Gefühl hat, nicht selbst mit dem psychischen Status seines Schützlings klarzukommen.


Wenn ihr Interesse habt, in den Schatten-Pool aufgenommen zu werden, schreibt uns kurz eine eMail an fraktal.1@gmx.de oder ruft uns an:








Die Rockwell-Skala.

Spieler, die sich als besonders belastbar einschätzen und ihre Grenzen im Spiel bewusst ausreizen wollen, können sich auf dem Con mit einem grünen Bändchen um den Oberarm kennzeichnen. Damit teilen sie der Spielleitung mit, dass bei ihnen z.B. auch (angedeutete) Folter-, Erniedrigungs- und psychische Gewaltszenen ausgespielt werden können. Selbstverständlich gilt bei diesen Spielern wie bei jedem anderen auch: "Stop" bedeutet "sofort aufhören!".

Das Bändchen kann jederzeit bei der Spielleitung wieder abgegeben werden, wenn man sich abgespannt oder der Sache nicht gewachsen fühlt. Es wird keinen Spott und keine Häme geben, es müssen keine Gründe angegeben werden. Bitte seid in dieser Sache ehrlich mit euch selbst.



Was ist tabu?

Einige Grenzen dürfen im Spiel auch bei den Trägern grüner Bändchen auf keinen Fall überschritten werden:

Zu keiner Zeit darf ein Spieler seiner Fähigkeit beraubt werden, sich zu artikulieren. Also: keine Knebel. Der Spieler muss im Notfall klar und deutlich den Stopbefehl geben können. Es muss sich auch jederzeit jemand in Rufweite befinden, der den Stopbefehl hören kann.

Keine echte Freiheitsberaubung! Die Tür einer Zelle darf nur mit einer Schlossattrappe gesichert sein. Fesseln sind lose anzulegen, sodass sich der Spieler sofort und mühelos selbst wieder befreien kann.

Keine Deprivation! Das heißt im Klartext: zu keinem Zeitpunkt darf einem Spieler Licht, Wärme, Flüssigkeit oder Nahrung vorenthalten werden.

Man braucht es nicht extra zu erwähnen: Keine reale Folter! – also: keine realen Schmerzen zufügen, die über ein leichtes Kneifen hinausgehen. Dabei ist zu bedenken, dass bei verbundenen Augen auch ein leichter Schmerz sehr hart empfunden kann.


Und unter allen Umständen: Keine Darstellung sexueller Gewalt! Dazu zählt bereits das gespielte Befingern oder teilweise Entkleiden gegen den Willen der Spielfigur. Sexuelle Gewalt und Sexismus mögen in jeder "realistischen" Endzeit an der Tagesordnung sein – zugegeben. Uns fällt aber andererseits ums Verrecken keine Spielsituation ein, die durch das Ausspielen sexueller Gewalt entscheidend bereichert würde.

Sexuelle Gewalt ist bereits in unserer eigenen, "zivilisierten" Gesellschaft so verbreitet, dass nach Schätzungen jedes dritte bis vierte Mädchen und jeder siebte bis achte Junge im Schulalter sexuell missbraucht wurde. Wir möchten definitiv vermeiden, dass auf unseren Cons Menschen, die diese Erfahrungen machen mussten, durch das Spiel der anderen Spieler wieder damit konfrontiert werden.

Zudem möchten wir nicht, dass bei besonders gut ausgespielten Szenen andere Spieler plötzlich das Spiel unterbrechen und sehr direkt eingreifen, wenn sie sie für real halten – da sie sich sonst der unterlassenen Hilfeleistung schuldig machen würden, müssen sie im Zweifelsfall handeln.

Daraus folgt, dass die Darstellung sexueller Gewalt meist für alle Beteiligten das Spiel empfindlich trübt.