Die Bleicher
Stimmen aus der Dunkelheit

Es war ein ehrgeiziges Projekt, das kurz vor dem großen Knall seinen Anfang nahm. Wissenschaftler, Planer, Ärzte, Elitesoldaten: sie wurden eingefroren, um in Abständen von je hundert Jahren zu erwachen und die Zivilisation wieder aufzubauen. Tief in den Bunkern wurden ihre Körper gelagert – und die komplexe Maschinerie, die sie am Leben hielt. Und man gab ihnen Bewacher zur Seite.

Die Nachfahren dieser Wächter sind vom generationenlangen Dasein im Dunkel kränklich und bleich. Ihre Gesichter sind hässlich, ihre Gestalt verwachsen. Ihre Stimmen jedoch sind volltönend und rein – für ein Volk, das im Dunkeln lebt, hat die Stimme eine Sinnlichkeit, die der Oberflächenbewohner nie erschließen kann. Ihre Anführer, die Demagogen, setzen ihre Stimme gezielt als Waffe ein; ein Wort von ihnen ist wie ein unwiderstehlicher Befehl, wie ein Peitschenhieb – oder wie Balsam, der süß ins Ohr träufelt und die Sinne betäubt.

Von der ursprünglichen Doktrin ist nur eine verzerrte Parodie geblieben: schlafende Götter bewache man, die dereinst erwachen werden. Sie werden sich hoch über die Sterblichen erheben und ein neues, goldenes Zeitalter anbrechen lassen. Und sie werden ihre ergebenen Diener, die Bleicher, belohnen. Man muss ihnen den Weg bereiten. Und so schwärmen die Bleicher im Schutz der Nacht aus und plündern die Dörfer. Ausgestattet mit Nachtsichtgeräten ("Sonnenaugen"), schallgedämpften Maschinenpistolen und ihrem unerschütterlichen Glauben nehmen sie sich von den Oberirdischen, was ihnen als Dienern der Götter zusteht.



Erscheinungsbild


Anlehnung: Mönche / Kultisten


Weite Gewänder, Kutten und Kapuzen, meist aus dunklem, grobem Stoff, verbergen die Bleicher nicht nur im Dunkeln, sie unterstreichen auch den religiösen Charakter ihrer Verehrung für die Schläfer. Taschenlampen werden wie Szepter oder Aspergille getragen, viele verhüllen ihr Gesicht vor der Sonne mit Schleiertüchern oder Sturmhauben.


Anlehnung: Nosferatu / Ghoul

Hässlich, bleich, mit violett durchscheinenden Adern, von Verwüchsen oder Geschwüren gezeichnet: die Rolle eines Bleichers erfordert es, tief in die Schminkkiste zu greifen. Mit Modellagepapier oder Latexmilch können tiefe Ringe unter den Augen aufmodelliert werden (hier kann man sich an Darth Vaders Gesicht unter der Atemmaske orientieren). Die Augenhöhlen sollten auf jeden Fall mit dunkler Schminke abgesetzt werden, um ein kränkliches Aussehen zu erzielen.

Schwarze oder weiße Kontaktlinsen können die Nachtaugen der Bunkerratten darstellen und gleichzeitig ihre Fremdartigkeit unterstreichen. Auch ihre Bewegungen sollten fremd und seltsam wirken; insbesondere der Kopf kann wie der eines Blinden immer leicht vom Gesprächspartner weggedreht werden – im Zweifelsfall ist das Gehör der wichtigere Sinn.

Wie Klaus Kinski als Graf Orlock tragen Bleicher dunkle, abgewetzte, schimmelige Kleidung – entweder von den Oberirdischen gestohlen oder aus den Lagern der Bunker. Vergangene Noblesse hat in diesen Kleidungsstücken einer schäbigen Mottenkugelromantik Platz gemacht.

Viele Elemente der Bleicher schreien: Vampir! – die technoiden Grüfte, in denen sie hausen, die schlafenden "Übermenschen", ihre Blässe, das metaphorische "Aussaugen" der Dörfer an der Oberfläche, ihre Angst vor der Sonne. Wichtig ist es, diese Elemente anzudeuten, ohne zu stark in Vampirfilm-Klischees zu verfallen.


Anlehnung: Herrenmensch (autsch)

Schwarze oder graue Uniformen von körperbetontem Schnitt, mit Kragenspiegeln und Schaftstiefeln, manche an den Seiten mit weißen Streifen verziert – Überreste der doktrinären Heilsvorstellung der Recombination Group, die damals die Schläfer einfror. Diese Uniformen aus den Bunkerlagern wirken ein wenig wie die Uniformen der imperialen Offiziere im Krieg der Sterne; und diese wirken wie... autsch.

Die Vorstellung von Übermenschen, die die Welt erben sollen, schlägt in genau diese Kerbe. Alle hier aufkeimenden Ideen von "Rassenüberlegenheit" und "Reinheit" finden natürlich ihr Zerrbild in den gebückten, zerlumpten und widerlichen Gestalten der Bleicher... und sollten auch entsprechend konterkariert werden.


Kult-Elemente

Die Kleidung spielt bei den Bleichern kaum eine Rolle. Die oben erwähnten Uniformen oder Kutten sind so etwas wie eine Kultkleidung. Wichtiger jedoch ist die Darstellung der Stimme: z.B. Psalmodieren in einem rhythmischen Singsang. Es lohnt sich auf jeden Fall, vor dem Spielen eines Bleichers ein paar Gesangs- und Rhetorikstunden zu nehmen.

Gegen die verhasste Sonne tragen Bleicher am Tag dunkle Brillen oder anderen Schutz. Sie sind nachtaktiv; die Dunkelheit ist ihr Verbündeter gegen eine feindselige Welt. Besondere Auszeichnung sind die schallgedämpften Maschinenpistolen (um das Gehör zu schonen) und die Sonnenaugen; Nachtsichtgeräte, die besonders hochrangige Bleicher tragen. Manche davon funktionieren sogar noch.