DEGENESIS® : Spitalier : Preservist Klingner

PRESERVIST KLINGNER (DR. RAOUL VELASQUEZ)
::: HYBRISPANISCHER PRESERVIST
::: (SPITALIER)



KULTUR: HYBRISPANIA
KONZEPT: + VERFALL
KULT: SPITALIER > PRESERVIST
RANG: –



Die Luftumwälzung stöhnt leise. Der Ventilator wirft zuckende Schatten in den Raum, die wieder und wieder den kahlen Schädel streifen. Die Pritsche ist ungemacht und zerwühlt, riecht nach Schlaflosigkeit und schlechten Träumen. Auf dem Rand aus Stahlrohren sitzt Dr. Raoul Velasquez, das Gesicht in den Händen vergraben. Der weiße Kasack ist am unteren Rand gelb gefleckt: die Stahltoilette ist drei Meter weit entfernt, eine unüberbrückbare Distanz für einen Mann, dessen Welt sich auf dieses quietschende Bett und die Flächen seiner zitternden Hände verengt hat.


Diese Hände führten noch vor Wochen das Skalpell wie ein Schwert. Dr. Velasquez war auf dem Weg zum Ruhm: er forderte die hoffnungslosen Fälle an, schnitt kühn durch angeblich unrettbares Fleisch. Rettete viele, die schon aufgegeben worden waren. Andere, gewöhnliche Fälle, starben ihm unter dem Messer, die vielleicht mit konventionelleren Methoden hätten geheilt werden können. Unwichtig. Man hielt ihn für ein Genie. Andere für einen gefährlichen Irren, der von seiner Hybris aufgefressen wurde. Kleingeister, die ihm seine Erfolge neideten.

Bis auf einmal, eines Tages, in der Mensa, all diese Opfer auf seinen Geist einbrandeten. Ein Gesicht nach dem anderen starrte ihn mit der Wucht einer strafenden Sonne an. Ihm wurde schwindelig, der Löffel klapperte erst auf dem Rand der Suppenschale aus Aluminium - einmal, zweimal -, dann auf dem Boden. Er erhob sich, schwankend, und schaffte es bis in seinen Privatraum, wo er sich heftig übergab.

Danach gelang ihm nichts mehr. Er zögerte, konnte aus Angst den ersten Schnitt nicht tun, brach Operationen ab. Konnte nicht mehr. Die Meriten bröckelten weg. Andere nahmen seinen Platz unter den ersten Zehn auf der Tafel ein. Jetzt schlug die Stunde seiner Gegner. Es wurde gemunkelt, gespottet, denunziert. Die Hippokraten forderten seine Akte an. Prüften Fälle. Befragten seine ehemaligen Freunde. Da war Velasquez schon völlig apathisch.


Nicht lange, und sie werden ihn zur Schuldausrufung abholen. Da ist keine Regung in seinem Geist. Er sitzt auf der Bettkante, lässt seinen Urin auf den Boden fließen. Kräftig gefärbt, beginnende Dehydration. Die Flasche mit Mineralwasser auf der Anrichte ist unberührt. Seine Welt besteht aus seinen zwei Handflächen, die abwechselnd kalt und fieberheiß gegen seine Stirn und Wangen drücken.

Die Tür quietscht, schwingt auf. Er blickt nicht hoch. Es werden die Hippokraten sein. Er erwartet Ledermäntel, verkniffene Gesichter, Klemmbretter, doch die Gestalten im Türrahmen tragen Neopren und stählerne Pickelhauben. Hinter ihnen ein keifender Altvorderer im Kasack: "... wird ein Nachspiel haben, der Registrar wird formell Beschwerde gegen Sie einlegen, hören Sie mir überhaupt zu? He Sie, ich rede mit Ihnen..." Die starren, narbigen Gesichter unter den Helmen verraten nicht, ob sie den alten Mann wahrnehmen oder nicht. Velasquez versteht nicht, doch es ist ihm gleich. Hände greifen seine Schultern wie Eisenklammern. Er wird hochgehoben, mühelos, als wöge er nichts. Die Preservisten nicken sich zu.

"Nach Arnsberg."



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