Eleazar Ismael : Jehammedaner - DEGENESIS®

ELEAZAR ISMAEL HARMON
::: BORCISCHES SCHWERT JEHAMMEDS
::: (JEHAMMEDANER)



KULTUR: BORCA
KONZEPT: + ZWANG
KULT: JEHAMMEDANER > SCHWERT JEHAMMEDS
STAMM: HARMONITER


Am Eingang des Bades schlagen mir Dampfwolken entgegen. Sofort triefen Mantel und Hut von Wasser, die Brille beschlägt. Ich nehme sie ab und stecke sie in die Tasche. Meine Stiefel stehen draußen vor der Tür, meine Fußlappen sind von eifrigen Ismaeli entgegengenommen worden (mit denen ich so etwas wie Mitleid empfinde, denn ich war den ganzen Tag unterwegs). Ich komme nicht umhin zu vermuten, dass ich mit meinen bloßen Füßen zum vollem Richterornat ein lächerliches Bild abgebe. Ein zorniger Jehammedaner mit schütterem Bart kommt, wie von der Tarantel gestochen, aus der Tür geschossen, und ich gebiete ihm mit erhobener Hand Einhalt. Er besinnt sich, in welcher Stadt er sich befindet, und schluckt seine Tirade herunter. Das hindert ihn nicht daran, mich mit den Augen zu durchbohren, als wolle er aus mir einen hellvetischen Käse machen. Ich zucke die Schultern, streife den Mantel ab, lüfte den Hut und drücke dem Mann beides in die Hand.

"Fechner", sage ich. "Eli Abraham erwartet mich". Der Gesichtsausdruck wechselt von drohend zu unsicher. Ich lächele. "Wo kann ich mich umziehen?"

Keine fünf Minuten später bewegt sich mein magerer weißer Körper, nur mit einem Handtuch bekleidet, zwischen schwitzenden, braungebrannten Jehammedanern durch den dichten Dampf. Eli erscheint und begrüßt mich, und ich lasse die brüderlichen Wangenküsse über mich ergehen. Sein Bart ist kratziger geworden, eine richtige Drahtbürste, eine echte Zumutung für jeden, der zufällig sein Freund ist. Und das von dem Mann, der mir selbst das Bartöl empfohlen hat – das aus dem Laden am Ende der Harvaed-Straße, in dem auch für Nicht-Jehammedaner garantiert kein Ziegendreck drin ist. Ich sage nichts: Eli ist ein Freund, und heute lasten noch mehr Sorgen auf ihm als sonst.

"Aristide, Aristide", seufzt er, und ringt die Hände. Dem Hang der Jehammedaner zur Theatralik muss Genüge getan werden. Heute hat er gar nicht mal so unrecht damit, und ich ertappe mich dabei, wie ich mir wünsche, die steife Richterpose aufgeben und selbst ein bisschen jammern und zetern zu können. "Ich weiß", sage ich, "ich weiß. Eli, ich bin dabei, die Sache zu lösen. Ich habe ein paar Fäden gezogen und den Fall übertragen bekommen. Ich fange den Mörder des Jungen, versprochen, und wir sorgen für eine angemessene Strafe, die den Spielraum beim Strafmaß voll ausschöpft. Eli, schau mich an." Ich sage es sehr sanft, weil ich meinen Freund bei der rituellen Klage unterbrochen habe, die sonst noch bestimmt noch zehn Minuten angehalten hätte. Das ist Mist, und ich tue es sonst auch nicht, aber heute bin ich wirklich in Eile. "Eli, ich brauche den Rücken frei. Ich weiß, dass die gesamte Gemeinde gerade wie ein Hornissennest ist. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis ein paar eurer übereifrigen Jungen in der Tiefstadt ein paar Fenster einschlagen und ein paar Bürger lynchen. Du musst sie zurückhalten, bis ich wieder da bin. Kannst du das?" Ich blicke zu ihm herunter. Eli nickt und sieht plötzlich ziemlich alt und erschöpft aus. Er berührt meinen Arm und zieht mich in den stickig-heißen Nebenraum mit dem Feuerofen. Dort klatscht er in die Hände.


Aus dem heißen Nebel schält sich ein Hüne mit Bronzehaut, das große Gesicht ausdruckslos. Die massigen Schultern triefen vor Nässe, von den Armen tropft Schweiß, weil der Kerl bereits die ganze Zeit im Fellumhang hier in der Hitze der Feuerkammer gewartet hat. Ich lege den Kopf zurück, um ihm in die Augen schauen zu können: zwei harte schwarze Kieselsteine, völlig unergründlich.

Eli räuspert sich und öffnet die Hände, als präsentiere er mir diesen Wuchtbrocken auf einem Tablett. "Mein Sohn Eleazar. Nimm ihn mit."

Ich schaue fragend. "Er spricht nicht viel, aber du kannst ihm dein Leben anvertrauen, Aristide. Er kennt sich in der Wildnis aus und kann Spuren lesen. Nimm ihn mit, dann kann ich der Gemeinde sagen, dass mein Stamm den Mörder jagt. Es wird mir helfen, die zornigen Gemüter zu beruhigen."

Genau das, was mir noch gefehlt hat. Ein Seitenblick: der stoisch schwitzende Riese steht immer noch wie aus Stein gehauen. Wenn er auf der Exkursion umkommt, lasse ich ihn ausstopfen und stelle ihn hier wieder auf, Eli wird den Unterschied kaum merken. Na schön, denke ich. Wir arbeiten besser mit den Umständen als gegen sie.

"Erfreut", sage ich schließlich. "Aristide Fechner. Ich hoffe, dass wir gut zusammenarbeiten werden." Ich strecke die Hand aus, und sie wirkt wie begraben in der riesigen Faust. Der Händedruck ist überraschend sanft, das Gesicht immer noch völlig unbewegt. War das ein Nicken? Ich hoffe es. Das kann ja heiter werden.




Eleazar Ismael : Schwert Jehammeds - DEGENESIS®
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