Lost and Found
Schrott von den Fundstellen! Artefakte des Urvolks!



Die Gauner
Vor der gerechten Faust auf der Flucht



Die Söldner
Feuerkraft für einen guten Preis.



Die Forscher
Vermächtnissen des Urvolks auf der Spur



Die Claymore-Mine
Ein Sprengsatz geht von Hand zu Hand



Die Menschmaschine
"Stellen Sie das Rauchen ein! Sie gefährden Zivilpersonen.".



Die schwarzen Händler
Neolibyer im Balkhan.



Die Apokalyptiker
Auf dem sinkenden Schiff tanzen, den Sturm reiten, den Abgrund verlachen!



Der Tanz der Apokalyptiker (Film)
Eine Kiste Destillat!



Die Siedler
Balkhaner weinen nicht.



Die Chronisten
Wir haben Kontakt!



Die Richter
Weitergehen, Bürger!



Das Panzerschott
Zum Allerheiligsten.



Die Hellvetiker
Selten war der Schutz des Urvolks so angenehm.



Die Bleicher
Bleich und... böse.



Die Verfemten
Bequem geparkt zwischen allen Stühlen.



Die Spitalier
Reinheit.



Begegnung
Menschmaschine trifft Maschinenmensch.



Die Schrotter
Artefakte am Balkhan - Gerücht oder Verheißung?



Das Orakel
Fluch oder Segen für die Siedler?






fraktal.1
Diskordanzen

Man kämpft sich vorwärts. Der Sturm peitscht die verkrüppelten Bäume und zerrt an den Planen der Wagen. Die Packtiere scheuen und zittern am ganzen Körper. Nicht nur Äste werden an den unglücklichen Reisenden vorbeigewirbelt, ganze Packen flaumiger Sporen treiben auf dem Sturm, klatschen gegen die Masken. Die Filter sind schnell verstopft.

Nicht genug davon: die Wilden aus der Umgegend haben sich zusammengerottet, wie es scheint. Auf den Graten der Umgebung tauchen ihre Köpfe auf. Sie sehen hungrig aus. Einer trottet über den Hang: so läuft ein Raubtier. Der Blick (die Augen zusammengekniffen in einem bemalten Gesicht) sagt alles: wenn euch der Sturm nicht kriegt, kriegen wir euch.

Ringsum ragen verbogene Stahlträger aus dem Dreck. Das verrostete Schild mit der Aufschrift "Sokolov 23km" quietscht und biegt sich, als wollte es jederzeit abbrechen. Aber die Karte des Altertumsforschers Karl hat recht: hier ist ein Eingang. Caryads Schrotterrune ist ungelenk in das Metall geritzt, und das Stahlschott steht halb offen. Die Waffen werden auf die dunkle Öffnung gerichtet, und vorsichtig wagt man den Abstieg...


Ankunft

Die Siedler, die sich hier im Bunker ein Zuhause errichtet haben, zeigen echt balkhanische Gastfreundschaft: erst wird man mit einem altersschwachen Gewehr bedroht und beschimpft, dann hereingebeten und so fest auf die Schulter geschlagen, dass man fast vornüber fällt. Die bemalten Wilden schleichen schon um das Schott herum, und ein oder zwei besonders Mutige wagen ein paar schnelle Vorstöße. Es wird viel gedroht, ein Schuss fällt, und die Stammeskrieger treten den Rückzug an, nicht ohne ein Stück Kopfhaut als Trophäe.


Anfangs wollen die Siedler nicht mit der Sprache heraus – aber sie schleifen ihre neuen Gäste gleich zum "Orakel". Das Kind gibt merkwürdige Laute von sich, aber es scheint die Neuankömmlinge zu akzeptieren – sehr zur Erleichterung der Siedler, die daraufhin die Waffen sinken lassen. Schon keimt in den Spitaliern ein leiser Verdacht über dieses Kind – aber noch beobachten sie und warten.

So richtig scheint man aber dem Sturm nicht entkommen zu sein, denn die Schwingungen des nahen Sporenfeldes sind auch hier unten zu spüren. Wer nur leicht versport ist, bemerkt vielleicht ein leichtes auf- und abschwellendes Ziehen, aber die schwer Versporten leiden unter plötzlichen Aufwallungen von Jähzorn und Halluzinationen. Die Siedler haben ihre eigene Art, damit umzugehen. Das Orakel ist ihre frühe Warnung – das Kind wird unruhig, und schon wickeln sie ihre Waffen ein, ziehen sich zurück; die am stärksten Versporten lassen sich an die Säule fesseln. Es war nicht immer so, raunen sie den Gästen zu, nachdem die Schwingung abgeklungen ist. Erst seit ihr Wohltäter Sorenson nicht mehr unter ihnen weilt und ihnen die Sporen aus dem Körper ziehen kann, hat diese Raserei von ihnen Besitz ergriffen.


Wer ist dieser Sorenson?


Ein großes Wissen soll er besessen haben, gottgleich, und er konnte mit Heilsteinen Krankheiten lindern, er habe einen Weizen gezüchtet, der den Sporen trotzte, und das Unkraut mit besonderen Flüssigkeiten vertrieben, die Wilden mit Feuer aus seiner Hand das Fürchten gelehrt. Den Siedlern, die ihn bei sich aufnahmen, erging es wohl – doch eines Tages war er tot. Blutleer, ausgesaugt aus tausend Einstichen.


Seitdem ging es mit den Siedlern bergab. Nur noch eine Handvoll von ihnen ist übrig, sie sind den Attacken der Sipplinge ausgesetzt und kämpfen um ihre karge Ernte.


Der Cluster spricht


Unterdessen haben drei Chronisten mit der Karte des Forschers einen Raum ausfindig gemacht: da prangt das Chronistensymbol! Das Schloss wird geknackt, vor Aufregung beschlagen die Sichtgläser. Eine Relaisstation aus der Zeit des Nadelturm-Projektes! (Das Wort "Fiasko" wird hier sorgfältig vermieden.)
Sofort machen sich die Agenten des Clusters emsig ans Werk, flicken Kabel, löten Platinen und setzen Geräte instand. Und sie werden belohnt – mit einem Krachen in der Leitung und den Worten "Der Cluster hört!". Die Wechseldrucker laufen heiß: Söldner werden in aller Eile angeheuert, um diesen seltenen Schatz zu behüten.


Dieser Schutz erweist sich als weise Vorsichtsmaßnahme. Die Siedler sind erzürnt: vor zwanzig Jahren gab ihnen ein maskierter Fremder gutes Geld dafür, dass dieser Raum geheim bleiben sollte. Das balkhanische Gemüt ist schnell erhitzt, und die Waffen werden gezogen. Nach einigen angespannten Minuten und dem Austausch von Drohungen können die Maskengesichter aber die Siedler überzeugen, dass sie die rechtmäßigen Nachfahren der Erbauer dieser Anlage sind.

Bleibt die Frage, wer der maskierte Fremde gewesen ist – niemand bringt die Inschrift "Delete" auf dem Schaltkreisbrett mit dem Chronisten Delete in Verbindung, der in Occams Messer Informationen sammelte. Gibt es da einen Zusammenhang, und wenn ja, welchen?


"Worte, nichts als Worte!"

Mit den Anführern der Wilden verhandelt man und bringt in Erfahrung, dass sie Trophäen brauchen, um als Erwachsene zu ihrem Stamm zurückkehren zu können. Leider werden die Verhandlungen auf halbem Wege zu einer friedlichen Lösung gestört, und es sprechen erneut die Messer. Die überlebenden Wilden fliehen zum Ausgang und schütteln die Fäuste.

Unterdessen haben die Richter ihre eigenen Differenzen beigelegt (man einigt sich, dass der als fahnenflüchtig geltende Protektor Hegel sich in Justitian einem Tribunal stellt), und man kann zur Tagesordnung übergehen. Jo Gendo, der hochgewachsene Advokat, entrollt einen Steckbrief und zitiert direkt Herrn Born an den Tisch: der sehe ja dem gesuchten Obromov Herborn zum Verwechseln ähnlich! Eine Handvoll Wechsel wechselt diskret den Besitzer, und das kleine Missverständnis mit den fehlenden Papieren wird in Ordnung gebracht. Willkommen, Bürger! Born und sein Kompagnon Milan atmen durch – als freie Männer.

Der Tag neigt sich dem Ende zu, und die Flucht durch den Sturm hat die Reisenden ausgelaugt. Man schafft sich seine eigenen kleinen Bereiche, indem man die Beine des Nebenmannes zur Seite schiebt. Decken werden ausgerollt, man verzehrt eine karge Mahlzeit und streckt sich aus, in der Gewissheit, dass die Wachen den Eingang vor den Wilden beschützen.


Gefahr aus der Tiefe

Als dann die Gefahr zuschlägt, kommt sie nicht von außen, sondern aus den Tiefen des Bunkers. Eine blasse Fremde und ein grotesk entstellter Verwachsener haben die Söldner misstrauisch gemacht; sie haben sich an dem verschlossenen Panzerschott zu schaffen gemacht, vor dem die Söldner auf der Empore kampieren. Doch noch während die Kämpfer zu den Waffen greifen, fliegt schon die Tür auf, und die Tunnels rotzen bleiche Gestalten mit hässlichen Schusswaffen aus.

Die Reaktion der Söldner besteht im ersten Schreck aus dem Durchziehen des Abzugs. Die Bleicher fackeln nicht lange, erwidern das Feuer und schleppen die Verletzten zurück in ihren Schacht. Die schlaftrunkenen Reisenden kommen zu spät: Das Schott fällt mit sattem Schmatzen ins Schloss.

Stille.

In den Tiefen des Dispensers werden die Gefangenen auf die Liegen gepresst. Man schneidet sie, brennt sie mit glühenden Eisen: die Bleicher sind nicht zimperlich. Sie stellen Fragen. Sie suchen nach den Mördern ihres Gottes. (Welches Gottes? Sorensons etwa?) Zufrieden sind sie mit den Antworten nicht. Eine neue Gruppe wird nach draußen geschickt, um zu verhandeln. Man droht, die Gefangenen zu töten, wenn nicht ein Arzt sich um den Bleicher kümmert, der bei dem Vorstoß verwundet wurde. Dem Arzt – und auf Verlangen auch dem Altertumsforscher – wird der Zugang gewährt. Zuletzt, nach zähen Verhandlungen, vielen Drohungen und einem Gefangenenaustausch, schließt sich das Schott wieder; auf der einen Seite die Aufregung der Oberflächenbewohner, auf der anderen Seite der fast körperliche Hass der Bleicher.

Ein unangenehmes Geschenk der Bleicher wird erst später entdeckt: eine Claymore-Mine, die wohl den Rückzug der Bunkermaden decken sollte. Angespannte Minuten vergehen, bis man feststellt, dass der Zünder entfernt wurde (mehr aus Zufall durch Gram, den Verwachsenen).

Nachdem der Morgen anbricht (immer noch kein Ende des Sturms in Sicht) haben kühlere Köpfe das Durcheinander gesichtet. Der tote Gott der Bleicher ist wohl niemand anders als der verstorbene Sorenson, und die Lösung des Problems muss wohl in seiner Kammer zu finden sein – wohin sich auch das Orakel vor der Fraktion der Spitalier verkrochen haben soll.
Karl, der Forscher, hat der Anführerin der Bleicher den Floh ins Ohr gesetzt, dass das Orakel etwas über den letzten Willen Sorensons wissen könnte. Vollmundig hat man versprochen, die Kammer bis Nachmittag zu öffnen – was angesichts einer schweren Drucktür und einem Codeschloss gar nicht so einfach zu werden verspricht. Hier lässt Karl seine Beziehungen zu den Chronisten spielen, und eines der Maskengesichter erklärt sich zu dem Versuch bereit.



Der Maschinengeist erwacht

Die Spitalier und ihre Abordnung stehen Spalier, als der Chronist mit einer Anrufung an den Stream sein Werk beendet. Das Schott springt auf, und zehn Augenpaare blinzeln ins Halbdämmer. Schon bald zeigt das Kreischen des Orakels, dass man an die richtige Tür geklopft hat. Mutig dringen die Kämpfer in das Studierzimmer ein (überall hängen Ketten und komische Metallteile von der Decke) – und ziehen sich ebenso schnell wieder zurück, als im Dunkeln zwei Augen aufleuchten. Eine wuchtige, metallene Form schält sich aus der Dunkelheit: ein AMSUMO, eine Menschmaschine der Altvorderen!

Die nervöse Spannung im Raum wird gebrochen, als plötzlich die Delegation der Bleicher besitzergreifend in den Raum marschiert. Sie wollen das Kind, und der AMSUMO steht ihnen im Weg. Die Foltermeisterin herrscht die Maschine an: aus dem Weg, du Werkzeug! Der Maschinengeist bleibt unbeweglich – bis die Bleicher ihre Waffen ziehen und feuern. An der Panzerung des AMSUMO prallen die Schüsse ab und peitschen durch den Raum, und die Maschine bricht fast beiläufig das Genick seines Angreifers. Die entsetzten Bleicher treten den Rückzug an und verpassen dem Roboter die Claymore. Zwecklos – die Mine ist ja entschärft.

Im Durcheinander versucht das Kind zu fliehen, wird aber von den Spitaliern mit dem Spreizer und einem gutgezielten Schuss aus dem Gewehr des Söldners gestoppt. Jetzt zeigt sich, dass der Verdacht auf Psychonautik begründet war: aus der Leiche erblüht binnen kurzem weißer Flaum – Sporen im Bunker! Die Spitalier herrschen die Umstehenden an: Masken auf! Abstand! Unter Vollschutz wird mit Fungiziden und Feuer der Sporenfleck getilgt. Trotzdem werden alle Decken und Lagerstätten in der Nähe vernichtet – sicher ist sicher.

Der Maschinengeist durchstreift inzwischen die Räume in einem Patrouillenschema. Die Chronisten analysieren sein Verhalten und kommen zu dem Schluss, dass er offenbar ein altes Zivilschutzprogramm fährt. Möglicherweise installiert von Sorenson – seine Aufzeichnungen, geborgen aus dem Studierzimmer, scheinen das zu bestätigen. Immerhin erklärt das, warum er Bürger zum Einstecken ihrer Waffen auffordert, ihnen das Rauchen untersagt, aber ansonsten friedlich bleibt. Es gelingt einem gewitzten Händler, die Maschine von der Legitimation des Richters Hegel als Gesetzesvertreter zu überzeugen, und zum Schutz der Zivilpersonen im Bunker entsorgt er nach entsprechender maschinenlogischer Aufforderung auch die Mine und den kontaminierten Kadaver des Orakels nach draußen.

Inzwischen haben einige junge Wilde sich an den Wachen vorbeigeschlichen und starten einen Blitzangriff. Einer scheitert am Beschützerprogramm des AMSUMO; die junge Frau namens "Kräuter-Olive" überlebt im Schutz der Apokalyptiker (später wird sie die Richter ins Protektorat begleiten und die weite Welt kennenlernen.)


Eine Kiste Destillat

Die Stimmung erfährt einen jähen Schub, als eine Schar Apokalyptiker mit einer Kiste Destillat im Bunker erscheinen und von den Siedlern überschwänglich begrüßt werden. Sie sind freigebig mit dem Alkohol (Original Kippen-Brenner! Man mutmaßt, dass sie ihn wohl irgendwo "gefunden" haben müssen), die Tänzerinnen der Schar erobern die Bühne, und schon wird gefeiert.

Später erscheint ein Mann – nach den Strichtätowierungen zu urteilen, ein Jehammedaner – mit einem schweigsamen Hünen im Gefolge. Er fordert sein Destillat zurück, bedroht die Apokalyptiker, schlägt einer der Elstern ins Gesicht – und wird durch einen Schuss in die Lenden ausgeschaltet. Die Apokalyptikerin mit der rauchenden Waffe dreht sich gleichgültig um, aber schon ist eine Ärztin zur Stelle und versorgt die Wunde. Der Sterbende verlangt im Delirium nach Max Milan.

In seinen letzten klaren Momenten beichtet er Max alles: er war der Isaaki, das gesegnete Opferlamm, das für ihn sterben sollte. Milan wird seit der Geschichte mit dem Kelch Rebus´ des Täufers von den Wiedertäufern der Lanner-Rotte gejagt. Der Isaaki sollte in seine Rolle schlüpfen! In seiner Alkoholkiste sollte illegales Burn gefunden werden, und er sollte gehängt werden, damit man den Täufern Milans Tod weismachen konnte. Verzweifelt, um seinen Opfertod betrogen, röchelt der Jehammedaner seinen letzten Atem.


Der nächste Morgen

Nachdem ihnen das Orakel außer unartikulierten und unangenehm schrillen Tönen nichts hatte sagen können, haben sich die Bleicher vor dem Maschinengeist in ihren Schacht zurückgezogen und ihre Wunden geleckt. Ein erneuter Spähtrupp scheitert am nächsten Morgen an der Wachsamkeit der verbleibenden Siedler. Doch die Balkhaner haben andere Sorgen als die Verfolgung der Bunkermaden: ihr Anführer ist von den Wilden getötet worden, und in ihren gelichteten Reihen schwingen jetzt diejenigen das Wort, die einen Kult um den vergöttlichten Sorenson gegründet haben. Die kleine Gemeinschaft zerreißt an dieser Prüfung; einzelne der Siedler schließen sich den Richtern und den Spitaliern an, um dem Bunker den Rücken zu kehren.

Dadurch hat der nächste Vorstoß der Bleicher mehr Erfolg. Der Korridor vor der Chronistenkammer wird im Handstreich genommen und gesichert, das Schloss geknackt. Die Maskenfressen sind nicht wehrlos. Eine blaue Entladung blitzt auf, einer der blassen Angreifer windet sich in Zuckungen am Boden. Drohend hebt der vorderste Chronist seinen Schockstab; die Bleicher zögern, drängen dann aber mit vorgereckten Waffen vorwärts und erzwingen sich mit Drohungen den Zugang zum Funkgerät. Ihre Nachricht ist kurz, aber kryptisch: "Phase eins abgeschlossen." Damit ziehen sich sich in ihre Gänge zurück.


Aufbruch

Das Abflauen des Sturms hat den Weg zur Oberfläche frei gemacht. In kleinen Gruppen brechen die Wanderer auf. Ein letzter Blick auf den dunklen Eingang, der manche fast ihr Leben oder ihre geistige Gesundheit gekostet hat, dann schultert man das Gepäck und richtet den Blick nach vorne.
Zurück bleibt eine Handvoll zerstrittener Siedler – und die Chronisten, die sich weigern, ihre neue Zuflucht aufzugeben. Vielleicht wird man im nächsten Jahr auf derselben Route vorbeikommen und sehen, was aus ihnen geworden ist.