Kostüme

Sich ein "Mad Max"- oder "Fallout"-taugliches Kostüm zusammenzustellen, kann für den Einsteiger wie eine große Herausforderung wirken. Im Gegensatz zu etablierteren Liverollenspielen wie Fantasy-Live, wo es bereits viel Kleidung und Rüstzeug von der Stange zu kaufen gibt, oder in der modernen Zeit angesiedelten Spielen wie Vampire-Live, wo man zur Not Alltagskleidung tragen kann, ist jedes Kostüm im Endzeit-Liverollenspiel einzigartig und muß von seinem Träger selbst zusamengebastelt werden.

An dieser Stelle wollen wir Tips geben, wie man sich mit einfachen Mitteln ein geeignetes Kostüm zusammenstellen kann.




Bonjour tristesse!

Endzeit-Filme sind meist mit einem Grau- oder Sepiafilter aufgenommen, um eine triste, bedrückende Stimmung zu erzeugen. Wo sie dies nicht tun, sind die gezeigten Oberflächen verrostet, die Personen der Handlung tragen graue oder braune, verschlissene Kleidung. Farbe ist ein seltener Gast und hat meistens Signalwirkung, wo sie doch auftritt.

Kleidung in der Endzeit sollte also zum größten Teil aus sandfarbenen, braunen oder grauen Stoffen gemacht sein. Eine Ausnahme bilden die Apokalyptiker, die sich als bunte Paradiesvögel im verseuchten Garten Eden verstehen. Aber auch bei ihnen finden Farben eher als Applikation und Highlight Verwendung statt als Grundfläche. Ein rotes Stirnband, bunte Federn im Haar oder ein, zwei bunte Tücher um Beine oder Arme geknotet – damit hebt man sich bereits von der Menge der Khakiträger ab.

Verpönt sind Tarnmuster – sie sehen zu modern aus. Der Endzeit eher entsprechen dürften Uniformen in Khaki, Feldgrau oder Oliv.


Mut zum Dreck!

Im eigenen Kleiderschrank finden sich möglicherweise schon endzeit-taugliche Kleidungsstücke: eine alte Lederjacke mit brüchigen Nähten, eine graue Arbeitshose, ein Mantel. Hier sollte man wirklich nur alte, wirklich nicht mehr im Alltag verwendete Kleidung nehmen – denn das Endzeit-Flair lebt vom Dreck. Saubere Kleidung wirkt fehl am Platz. Schmutzig, speckig und räudig sollte das Kostüm wirken. Es dürfen auch ruhig ein paar häßliche Löcher darin sein.

Eine einfache Art, Dreck zu simulieren, ist stark verdünnte, dunkelbraune oder schwarze Acrylfarbe, die man unregelmäßig aufträgt. Dunkle Stoffe können in der Badewanne durch Spritzer mit Chlorreiniger teils entfärbt werden, was einen sehr schönen Bleicheffekt ergibt. Abdunkeln kann man z.B. mit Kaffee. In nichtsynthetische Stoffe oder Leder kann auch ein Böller eingewickelt und gezündet werden, was hübsche, an den Rändern geschwärzte "Einschusslöcher" ergibt.

Auch das Gesicht und andere freiliegende Körperstellen sollten "dreckig" gemacht werden; dazu empfiehlt sich mit Wasser verdünnte, schwarze Tarnschminke aus dem Army-Shop. Tätowierungen und Piercings sind im Neo-Brutal-Look der Endzeit nahezu de rigueur – hier empfehlen sich flächige Muster oder einfache Streifen und Punkte. Tätowiertechniken in der Endzeit dürften recht krude sein.

Umgekehrt scheinen die Menschen in der Endzeit abgehärteter gegen Entzündungen und Infektion zu sein. So sind direkt an den Knochen geschraubte oder genietete Metallteile nicht selten – eine extreme Form des Körperschmucks. Man kann sie z.B. aus Moosgummi zurechtschneiden, bemalen und mit Mastix-Hautkleber ins Gesicht kleben.

Das Wundermittel zur Narbendarstellung heißt Collodium, erhältlich im Bühnen-Schminkbedarf. Nach dem Auftragen in einer dünnen Linie zieht es die Haut zusammen und ergibt eine ansehnliche "vernarbte" Stelle.

Retro-Technik: Dampfradios und Röhren

Archaisches und moderne Technik prallen in der Endzeit aufeinander. Ein gutes Kostüm verschmilzt barbarische und technische Elememnte zu einer gekonnten Synthese.

Technik, die den großen Knall überlebt hat, ist meist von der robusteren Sorte: Zahnräder, Pleuel, Druckschläuche, Metallgehäuse. Modernere Plastik-Gegenstände hingegen dürften schnell verrottet sein, daher hat die verbliebene Technik ein "Retro-Flair", sieht aus wie aus den 20er bis 50er Jahren. Also: lieber das bullige schwarze Feldtelefon der 50er als ein modernes Handy, lieber ein Grammophon als einen CD-Player.

Eine Ausnahme bilden hier Kulte wie die Chronisten, die sich dem Erhalt der alten Technik verschrieben haben – aber auch hier finden sich aberwitzige Konstrukte aus Braunschen Röhren, alten Amperemessern, trüben Flüssigkeitsgläsern, rotierenden Magnetbändern und rostigen Stellrädern neben LED-Anzeigen, die ein unheimliches Licht auf die Umgebung werfen.


Bekanntes im neuen Zusammenhang

Die Menschen der Endzeit leben inmitten der Ruinen unserer untergegangenen Kultur. Was von der alten Ordnung übrigblieb, wird demontiert und neuen Zwecken zugeführt. Kleidungselemente aus alten Zivilisationsgegenständen passen gut in die Endzeit – je absurder, desto besser. Straßen- oder Hinweisschilder aus Blech geben gute Rüstungsteile ab. Da kaum jemand lesen kann, kann auf dem Schild am Helm ruhig noch stehen "Betriebsferien von Januar bis April" oder "Nicht stürzen!". Aber auch andere Accessoires sind denkbar: eine Kette um den Hals, an der neben Knochen auch Fahrrad-Zahnkränze, kleine Schraubenschlüssel oder Barbiepuppen-Köpfe hängen, oder Ellbogenschoner aus Stücken alter Reifen.


Waffen-Modding

Zwischen 50 und 500 Jahren sind (je nach Setting) seit dem großen Knall vergangen. Schusswaffen, die bis zu diesem Zeitpunkt überlebt haben, sind ein seltenes und wertvolles Gut, das durch viele Hände gegangen ist und immer wieder repariert und modifiziert wurde, um noch funktionsfähig zu bleiben.

Zunächst sollte man sich überlegen, ob die Spielfigur überhaupt eine Schusswaffe braucht. Die allermeisten Endzeit-Bewohner werden sich stattdessen mit Handwaffen oder aus Schrott gebastelten Bögen und Armbrüsten ausgestattet haben – Munition des richtigen Kalibers wächst an jedem Baum und muß nicht mühsam aus alten Lagern geborgen (und sorgfältig wieder tauglich gemacht) werden.

Wer doch eine Pistole oder ein Gewehr trägt, tut dies in der Regel eher aus Prestigegründen, und viele der alten Waffen taugen nur noch zum Drohen, nicht aber zum Schießen.

Auf jeden Fall gilt: eine im Handel gekaufte Schusswaffe – ob Knallplättchenwaffe, Nerfgun oder Softair – sieht in jungfräulichem Zustand zu modern aus und sollte daher unbedingt "gemoddet" werden. Darunter versteht man das Verfremden der Waffe mit Lochblechen, zusätzlichen Rohren, Druckmessern, Schläuchen und Lederstreifen, um den räudigen Endzeit-Look zu erreichen. Dreck und Rost sind hier ein Muss. Abergläubischer Zierat wie Marderschädel, Knochen, Federn oder Runen können ebenfalls nicht schaden.