iteration.5
Aszendenz
Endzeit-LARPi nach Degenesis
05.11.2011 - 06.11.2011



Mobilis! Unten in der Schlucht brechen die Arbeiter im Schweiße ihres Angesichts Kohle aus den Wänden; die vollen Loren werden mit keuchenden Ochsengespannen und Protektorenbewachung in Richtung Justitian gezogen. Die Kokerei taucht alles in einen ständigen Dunst, die verschwitzten Menschen werden zu undeutlichen Schemen. Wer hier länger arbeitet, den erkennt man auf Meilen Entfernung an seinem Husten.

Oben am Hang ist die Luft besser. Dafür schneidet der plötzliche kalte Wind wie ein Messer in die Haut. Hier schmiegen sich Hütten aus Stahltrossen und Blechen an die Felswände: ein Schritt zu weit vor die Tür, und man liegt dreißig Meter tiefer. Hier finden sich auch die wenigen Läden, ein winziges Chronistenbüro, aus dem Telegraphendrähte sprießen, und die "Instanz", Absteige für die Bewacher der Konvois und die wenigen Fremden, die hier durchkommen. Hierhin lenken wir unsere Schritte, begierig, den Staub von der Reise abzustreifen.

Die Stadt gehört zum Protektorat des Richterkults: Wenn Justitian der Hundezwinger ist, dann ist Mobilis der Ort, wo der Kettenhund seine Knochen vergraben hat. Mobilis-Kohle befeuert die Öfen der Stahlmeister, den Cluster der Chronisten und das Technikcentrum, ganz zu schweigen von vielen tausend justitianischen Bürgerhaushalten.

Die Richter halten ein wachsames Auge auf die Zeche und die Trecks, doch anderswo ist die Kontrolle eher lasch: wegmüde Protektoren und angeödete Minenarbeiter wollen sich hier vergnügen, bevor man sich am nächsten Tag wieder auf den Richtgaul oder an den Bohrer schwingt. Und so verwundert es nicht, dass Glücksspiel und Hurerei kaum verfolgt werden und man irgendwo in den Seitenstraßen Schlapphüte Arm in Arm mit Apokalyptiker-Elstern sieht. "Freizone" heißt das Zauberwort. Der amtierende Protektor Jessel macht gute Miene zum bösen Spiel: was er nicht unterbinden kann, lässt er gewähren. Zumal ein Teil der Einnahmen gerüchteweise auch den Weg in seine Tasche findet.






Ein paar Hiebe unter Freunden

Die "Instanz": Einkehr für die Minenarbeiter nach getanem Tagwerk, für die
Protektoren auf der Durchreise – und für alles Gesindel, was sonst noch nach Mobilis gespült wird. Regelmäßig beginnen hier oben die Ventile zu zischen, und der Dampf aus den Minen wird abgelassen. Man sieht die Hand vor Augen nicht mehr. Ungefährlich, völlig ungefährlich, sagen die Spitalier. Wer´s glaubt.

Hierhin verschlägt es die traurigen Reste der Abendseglerschar:
Jag Hammer und Mischief sind nach internen Rangkämpfen allein unterwegs. Doch der wendige Apokalyptiker verschwendet keine Zeit darauf, Trübsal zu blasen: Jag muss sich nur ein wenig als Storch betätigen und hat bereits Frischfleisch für seine Schar im Auge. Mantis und Gecko sind rauhe Grubenkämpfer mit harten Fäusten – genau das, was eine Schar im Ödland braucht. Und die blaue Färbung in ihren Gesichtern lässt schließen, dass sie schon mehr als einmal mit den Richtern aneinandergeraten sind.

Da stürmt ein wild aussehender Hüne in den Raum und schlägt sofort mit den Fäusten auf
Jag ein. Sein Liebchen habe der Apokalyptiker geschwängert, und an dem Kind sei sie verreckt! Doch hier ist nicht das freie Ödland: schon sind die Richter zur Stelle. Advokat Fechner richtet seine Pistole auf den Schläger, Protektor Hegel nimmt ihm Messer und Schlageisen ab.

Geyer – so heißt der Neuankömmling – ist verstimmt. Doch die gemeinsame Ablehnung der Schlapphüte schweißt zusammen: und so sitzen Jag und er nach kurzer Zeit bei Destillat zusammen wie die besten Freunde.





Apokalyptiker und Schläger
Pack schlägt sich, Pack verträgt sich.


Elsternjagd

Ein bisschen aufreizender Tanz von leicht bekleideten
Elstern ist jetzt genau das richtige, denken sich die Reisenden, während sie es sich bequem machen. Und sie werden von der Darbietung nicht enttäuscht.

Doch eines der tanzenden Mädchen kommt
Jag doch sehr bekannt vor: ist das Tala, die Elster, die vor ihm auf der Flucht ist? Sie hat gegen ihn intrigiert, versucht, ihn aus der Anführerrolle zu drängen, und letztlich ist daran seine Schar vor die Hunde gegangen. Wie klein die Welt doch ist! Und es wird Jag ein Vergnügen sein, an ihr ein Exempel zu statuieren.


Für
Tala stellt sich die Sache anders dar: von ihrer lieblosen Familie an die Apokalyptiker verspielt, hat sie unter Zwang an den Verbrechen der Abendseglerschar teilnehmen müssen. Regelmäßig wurde sie von Jag geschlagen und missbraucht – und nun, endlich, hat sie sich befreien können. Sie tat, was sie tun musste, um ihm zu entkommen.

Ihre Verbrechen machen sie zur gesuchten Person – nicht nur will ihre Familie sie wiederhaben (nur über ihre Leiche!), die
Richter suchen sie wegen tätlichen Angriffs auf Protektor Hegel, und der Kult der Bleicher hat wegen der Überfälle der Abendsegler auf ihre Bunker ebenfalls die Hatz auf sie ausgerufen.


Mischief übermittelt Tala eine Botschaft: "Heute Nacht wird sich alles entscheiden". Will sie die Elster warnen? Oder ist es eine Drohung? Mischief ist letztlich auch nur aus Angst bei Jag geblieben, wurde ebenso von ihm mit Drohungen gefügig gemacht. In welche Richtung wird sie springen, wenn es hart auf hart kommt?


Auch drei
Bleicher in dunklen Umhängen haben sich eingefunden, mustern sie auffällig häufig aus dem Augenwinkel. Ihre Körpersprache ist fremdartig, nicht zu deuten; sie unterhalten sich mit unverständlichen Klick- und Schnalzlauten. Suchen sie nach ihr? Der Blick der Demagogin Kralle lässt Tala einen kalten Schauer den Rücken hinunterlaufen.


Die
Elster ist sich im Klaren, dass sie zwischen den Stühlen sitzt. Und ihre Zeit läuft aus. Sie muss sich für eines der Übel entscheiden. Und so setzt sie verzweifelt auf Protektor Radbod, der versuchen will, Hegel von einer vorschnellen Vollstreckung abzuhalten.





Richter unter sich

In der Richtstube wird diese Angelegenheit hart diskutiert.
Protektor Caius Walker enthält sich einer Meinung. Hegel legt dar, dass Tala Groenig ihn zweifelsfrei im Balkhan niedergeschlagen habe – tätlicher Angriff auf einen Richter! Radbod konzediert, dass das der Fall sei, die Elster aber eine hervorragende Kronzeugin gegen den viel größeren Fisch Jag Hammer abgebe. Schließlich spricht Advokat Fechner ein Machtwort: wenn er Jag vor Gericht stellen will, braucht er jede Zeugenaussage, die er bekommen kann. Denn hinter der Raubkrähe häufen sich die Toten. Und so ergeht die Order, Tala Groenigs Leben zu schützen.

In der Zwischenzeit müssen die
Protektoren die Augen aufhalten. Janus sei nach Mobilis unterwegs: einer der berüchtigtsten Kuckucke, die im Protektorat ihr Unwesen treiben. Dieser Teufelskerl habe die Lohngelder für Mobilis gestohlen, in der Maske eines Protektors – ein Affront gegen die Richtschaft, der nicht ungesühnt bleiben kann. Doch niemand weiß, wie Janus aussieht oder in welcher Maske er unterwegs ist. (Wo ist eigentlich Protektor Saglielli geblieben?)





Die Richter
Auf dem heißen Stuhl.




Lohn und Brot

Die wenigen Minenarbeiter, die sich in der "Instanz" eingefunden haben, sind mürrisch und streitlustig. Sie haben seit einem Monat kein Geld mehr gesehen – und das, obwohl die Richtschaft an sich sonst pünktlich zahlt. Gerüchte machen die Runde, dass die Lohngelder gestohlen worden seien, oder dass die ansässigen Richter die Kasse unterschlagen und unter sich aufgeteilt haben. In jedem Fall ist die Stimmung gereizt: mehrere Unruhen mussten angeblich bereits von den Protektoren niedergeschlagen werden.



Bleicherspiele

Unterdessen haben sich
Kralle und ihre fahlen Begleiter bei der Elster eingefunden. Der Angst-Demagoge Binat lässt seine Stimme bei ihr wirken, stachelt ihre Panik weiter auf. Mit erstickter Stimme beteuert das Mädchen, sie habe das alles nicht gewollt, sie sei von Jag gezwungen worden! Unter den Worten, die wie Peitschenhiebe auf sie einprasseln, windet sie sich, verkriecht sich in der Ecke ihres Boudoirs. Weinend verspricht sie, die Raubkrähe ans Messer zu liefern.

Die
Bleicher glauben ihr – oder tun zumindest so. Mit einschmeichelnden Stimmen beruhigen sie Tala, sehen die Hoffnung auf ihrem Gesicht aufblühen. Sie ist bereit, alles zu tun, die Bleicher zu unterstützen. Diese Oberflächenmaden sind so einfach zu manipulieren!


Doch die
Bleicher sind nicht hinter Tala her. Sie haben andere Gründe, sich hier aufzuhalten. Um Jag und seine Mitschuldigen können sie sich später kümmern. Ihnen geht es um einen anderen Frevel: Ein Shutterteam der Chronisten ist in ihre heiligen Hallen eingedrungen und hat eine Schatulle, eine Codebox gestohlen – mit Zugangscodes für mehrere Bunker! Schon reiben sich die Maskenfratzen die Hände, planen schon die Plünderung, stellen bereits Schrotterteams zusammen. Doch Kralle und ihre Begleiter haben die Spur aufgenommen und sind hier, um die Übergabe der Box zu verhindern.

Die überlebenden Shutter Securelog und Transfer sind in einer schwierigen Lage, als die Bleicher auftauchen. Bis hierhin lief alles nach Plan: Zeugen beseitigt, die Codebox geschnappt und zum Übergabepunkt nach Mobilis. Dort soll ein Mittler namens Receive die Box entgegennehmen.

Aber Receive lässt auf sich warten. Stattdessen dient sich ein weiterer Shutter dem Team an: Mismatch (tatsächlich der
Kuckuck Janus in Verkleidung) behauptet, Receive sei ein Verräter am Kult, ein Doppelagent. Er sei geschickt worden, um die Box ordnungsgemäß in Gewahrsam zu nehmen. Die Shutter sind skeptisch und händigen die Box nicht aus – aber die Verstärkung ist ihnen willkommen.


Nachdem ein Diebstahlversuch fehlgeschlagen ist, wenden sich die
Bleicher an die Justiz: die Richter sollen ihnen zu ihrem Recht verhelfen. Fechner vermutet, dass die fahlen, verwachsenen Gestalten ihm nicht alles offenbart haben, aber der Kodex lässt ihm keine Wahl: er wird dem Diebstahl der Box nachgehen müssen.





Die Bleicher
Auf der Suche nach den Frevlern.


Shutter: Program abort

Die angeschossene Reboot wird vom
Spitalier Dr. Gräber medizinisch versorgt. Die zierliche Shutterin hat weite Teile ihres Gedächtnisses verloren, erinnert sich aber dunkel daran, von jemandem namens Securelog in eine Falle gelockt worden zu sein. Fechner vermutet, dass Securelog derjenige Shutter ist, der sich unter dem Namen "Reboot" gemeldet hat – denn die Wahrscheinlichkeit, dass es zwei Shutter mit dem gleichen Namen gibt, ist gering.

Unterdessen hat
Protektor Radbod Mismatch in die Richtstube gebeten – der Shutter trägt die gleichen Stiefel wie der vermisste Protektor Saglielli. Ist er der Kuckuck in Verkleidung? Radbod und Fechner nehmen ihn ins Verhör. Doch das "Wahrheitsserum", das Radbod von Tala erhalten hat, entpuppt sich als Fläschchen mit Himbeerlikör. Dennoch gibt der Shutter zu, auch in der Maske von Protektor Saglielli aufgetreten zu sein – und weist sich als der Schöffe Radiel Spengler aus. Er sei in verdeckter Mission für die Richtschaft unterwegs und untersuche den Fall der vermissten Lohngelder. Man lässt ihn frei.

Währenddessen wird die unglückliche Reboot von
Goto01 ins Kreuzverhör genommen. Er bezweifelt, dass ihre Amnesie echt ist. Doch der Mittler scheint selbst ein unvollständiges Programm zu fahren – er wiederholt sich, bricht Sätze ab und artikuliert sich nur undeutlich. In Erfahrung bringt er nichts.

Karl Mars, der Händler, hat ebensowenig Erfolg bei ihr – aber immerhin bringt er für die Richter in Erfahrung, dass der echte Radiel Spengler in einer Messerstecherei getötet wurde. Die Papiere sind echt, gehören aber einem toten Mann. Diesmal verzichten die Richter auf alle Feinheiten: Überzeugt, den gesuchten Kuckuck Janus vor sich zu haben, sperren sie Mismatch, mit schweren Ketten gefesselt, in die Ausnüchterungszelle.


Die Minenarbeiter sind mittlerweile laut geworden, und mehrere der Gäste haben für sie Partei ergriffen. Die
Richter geraten unter Druck. Advokat Fechner sieht sich gezwungen, seine Kollegen einzuweihen: die Lohngelder wurden von Janus gestohlen, der sie in der Maske eines Protektors dreist entgegengenommen habe. Den echten Protektor habe man später, in Frauenunterwäsche und an seine Schöffin gefesselt, in einer billigen Absteige entdeckt. Um das Ansehen der Richtschaft zu wahren, wurde die Angelegenheit vertuscht.

Hegel und Radbod werden nach der anfänglichen Erheiterung schnell wieder ernst. Um weiteren Gerüchten vorzubeugen, entschließen sie sich, den Anführern der Arbeiter reinen Wein einzuschenken, und legen aus ihrem Privatvermögen eine Summe Wechsel aus, um die Arbeiter durch die nächsten Tage zu bringen.


Dann nimmt sich
Fechner der Vorwürfe der Bleicher an. Coram publico hält er eine Untersuchung ab. Die Chronisten können die Argumente der Anklage nicht entkräften: die Shutterin Reboot wurde in einem Bleicherbunker angeschossen, als sie von Securelog im Stich gelassen wurde. Was machte das Team dort, wenn nicht den Diebstahl zu verüben? Zudem: Die Bleicher können das geraubte Objekt genauestens beschreiben, ohne es vorher zu Gesicht bekommen zu haben. Zunächst leugnen die Shutter den Besitz der Codebox, aber bei der Durchsuchung wird sie schnell zutage gefördert.

Ungeachtet ihrer Proteste werden die Shutter von
Protektor Radbod gerichtet: beiden wird die rechte Hand mit dem Richthammer zertrümmert. Die Bleicher feixen offen.





Schießerei um Mitternacht

Damit ist der Gerechtigkeit noch nicht Genüge getan: als nächstes nehmen die
Richter den Schläger Geyer ins Visier – ihm wird Burnhandel vorgeworfen. Noch während der Hüne durchsucht wird, tritt Jag auf die Bildfläche. Ein Blick genügt, und schon erscheint der schwere Revolver in seiner Hand. Ein Knall, Fechner liegt am Boden – und dann ist die Luft dick von Blei. Eine Menge Geschosse schlägt auf die Panzerweste des Apokalyptikers ein – genug, um ein Mammut zu durchsieben. Doch wie durch ein Wunder überlebt er, verschanzt sich im Eingang und schießt die Gesetzeshüter reihenweise nieder. Tarn Radbod fällt mit durchschossener Schulter, seine vollbusige Vagantin Cara bekommt einen Bauchschuss ab.

Zuletzt stellt
Protektor Hegel die Raubkrähe im Eingang. Die beiden kennen sich von früher, haben bereits Geschäfte miteinander gemacht – und der bullige Protektor lässt nach einem kurzen, aber angespannten Wortwechsel den Verbrecher laufen. Später wird er sich rechtfertigen, dass ihm die schnelle Versorgung seiner Kollegen und die Meldung der Straftat zu wichtig waren, als dass er es riskieren konnte, bei der Verfolgung ebenfalls niedergeschossen zu werden.

Das
Spital geht demonstrativ auf Schulterschluss mit der RichtschaftDr. Gräber versorgt die Verwundeten und sorgt für einen Abtransport von Radbod und Bolage ins Volkskrankenhaus. Plötzlich sind die Reihen der Richter bedenklich dünn geworden.

Der verletzte
Fechner reagiert, indem er einem gewissen A-Rhes eine der beschlagnahmten Shutterpistolen in die Hand drückt und ihn punktum zum Schöffen ernennt. Der Schrotter erscheint ihm groß und bullig genug, um das Gesindel einzuschüchtern.





Showdown in Mobilis
Richter und Gesetzlose tragen es aus.


Bis auf die Unterwäsche

Die Damen bitten zur Vorführung: zunächst ein paar Aufwärmübungen, dann betritt
Kitty die Bühne – in Hut und Mantel, und mit dem Richthammer in der Hand. Die Menge johlt, als sie lasziv ein Kleidungsstück nach dem anderen ablegt. Währenddessen räkeln sich ihre Mit-Elstern auf den Schößen ausgewählter Männer und Frauen. Mittendrin findet sich Aristide Fechner, der sich hier wohl eine Entschädigung für den aufreibenden Dienst holt.

Bei der Rückkehr in die Richtstube kommt die Ernüchterung: offenbar haben
Geyer und seine Komplizen die Richtkasse, einen Hammer und sämtliche Formulare gestohlen. Wie sie das angestellt haben, bleibt auch den erfahrenen Ermittlern Fechner und Caius ein Rätsel: das Schloss an der Tür ist unversehrt, nichts wurde aufgebrochen. Die Räuber mussten wohl durch Wände gehen können!



Herrenbesuch

Tala Groenig ist in Gefahr. Nach dem Auftritt zieht sie sich schnell in ihr Boudoir zurück – und Fechner mahnt sie, nur das Nötigste zu packen und sich schleunigst unter den Schutz der Richtschaft zu stellen, bevor er sich zum Bureau aufmacht. Doch sie zögert zu lange. Mit einem Knall fliegt die Tür auf, und Geyer schlendert in den Raum, gefolgt von Mantis und Gecko, die hämisch grinsen.

Nur ein paar Augenblicke haben die
Richter Tala aus den Augen gelassen – schon hängt sie hilflos in Geyers Griff, eine scharfe Machetenklinge an der Kehle, und der Schläger erzählt ihr genüsslich, was er und Jag mit ihr anstellen werden. Verzweifelt windet sie sich und tastet nach ihrem Messer im Strumpfband, doch sie kann es nicht erreichen.

Vor der Tür ist die Luft zum Schneiden dick –
Mantis und Gecko befinden sich in einem Patt mit den verbleibenden Richtern, Fechner und Walker. Die Ventile zischen, als beide Seiten langsam durch den Dampf aufeinander zugehen. Alle Hände liegen auf den Waffengriffen, doch keiner will zuerst ziehen. Durch die Tür dringt das verzweifelte Schluchzen der Elster und Geyers einschmeichelnde, murmelnde Stimme.


Dann sind die
Bleicher da. Mit Gift in der Stimme redet der Angst-Demagoge Binat auf den Schläger ein, der sich in Panik versteift. Tala reißt das kleine Messer aus der verborgenen Scheide und stößt es ihrem Peiniger in den Oberschenkel – und dann erscheint Fechner im Türrahmen. Die Shutterpistole knallt zweimal, und der Schläger sackt an der Wand zusammen.

Indessen haben sich
Protektor Walker und A-Rhes der verbleibenden Schläger angenommen. Nun hat Fechner Blut geleckt – mit dem Hammer verfolgt er den angeschossenen Gecko und richtet ihn hin. Für Feinheiten wie Urteile und Schuldsprüche ist hier kein Platz mehr. Dann richtet er sich auf. Für einen Moment scheint er die Unrsprünglichkeit des Augenblicks in sich aufzunehmen. Dann ist er wieder ganz Advokat. Mit dienstlicher Stimme gibt er Anweisung, Frl. Groenig in die Mitte zu nehmen. Die Richter geben die "Instanz" auf und lassen die Kneipe in der Hand des Gesindels – zumindest bis ein Protektorenkommando hier aufräumen kann.


Später wird
Protektor Walker in seinen Bericht schreiben: "(...) es hat sich erwiesen, dass das Gesindel die ganze Hand nimmt, wenn man ihm den kleinen Finger reicht. Richtet man eine Schandzone ein, in der Glücksspiel und Hurerei erlaubt ist, ereignen sich dort sofort auch andere Verbrechen. (...)"