iteration.4
Aufatmen
Endzeit-LARP-Taverne nach Degenesis
31.10.2010


Sichere Zone! Diese Wegstation verspricht tatsächlich einen Abend in Ruhe. Keine keulenschwingenden
Wilden, keine Plünderer, keine durchgeweichten Zeltplanen, kein Wacheschieben mit klammen Fingern im Dunkeln: so sieht das Paradies aus.

Durchatmen, eine Runde Destillat kippen: heute Nacht wird gefeiert.



Der Chronist
Stummer Beobachter

Ankunft

Die Kaschemme hat keinen Namen.
Ein Apokalyptikernest irgendwo im Balkhan, von den Voivoden geduldet, weil sich Kiper, der ansässige Specht, beim Voivodatskommissariat mit Schmuggelgut unentbehrlich gemacht hat. Die Zugvögel haben das Nest gut gepolstert: im Elsternnest gibt es alles, was das lüsterne Herz begehrt. Danach kann man in der Staub-Lounge ein paar Becher Destillat kippen oder einen Ziegenbalg Burn schnüffeln. Oder an der Bar die neuesten Gerüchte aufschnappen. Oder man frequentiert die Spülhölle und lässt sich an einem ehemaligen Spültisch nieder, um ein gepflegtes Kartenspiel zu genießen.



Die Kaschemme
Friedliche Oase im stürmischen Balkhan

Die Sipplinge

Bunt zusammengewürfelt ist die Gesellschaft. Ein bärtiger Mann im leinenen Umhang gibt an, ein
Jehammedaner zu sein. Was führt ihn in dieses Sündenbabel? Neben ihm hockt Sperber, ein Sippling und Jäger, an dessen Gürtel mehrere getrocknete Africanerköpfe baumeln. Jovial stützt er sich auf seinen Speer und mustert die Runde.

Ein anderer
Sippling scheint von den Kerzenflammen fasziniert zu sein – Philipp hat eine besondere Beziehung zum Feuer, doch manchmal zwingt es ihn, grausige Dinge zu tun. Noch wirkt er friedlich und in sich versunken – doch wer weiß, was wirklich in ihm vorgeht, wenn er in die Flamme blickt? Statt dieser beherrschten Ruhe vor dem Sturm ist einem möglicherweise selbst die übertriebene Hektik des Siedlers Starbuck lieber.

Ein
Schrotter namens Mastiff hat gerade als Geleitschutz eine Karawane zu ihrem Bestimmungsort gebracht und will das jetzt mit ein paar Bechern Destillat feiern; die Schrotterin Sin ist hier, um ein paar Spielchen zu wagen, und verschwindet bald in der Spülhölle.

Yuri, ein kräftiger Balkhaner mit strähnigem Haar und schwerem Akzent nutzt die Gelegenheit zum Prahlen – und holt sich gleich den Finken Nadja zum Schäkern auf sein Knie. Die Apokalyptikerin scheint nicht abgeneigt zu sein.





Die Sipplinge
Dem Balkhan entflohen

Die Ärzte

Hier im
Balkhan ist das Spital weit weg: hunderte von Meilen, die Adriafront Purgares und die Vulkanverwerfung des Sichelschlags liegen dazwischen. Spitalier, die sich hier aufhalten, sind ein besonderer Schlag Mensch – weniger Arzt als vielmehr Spion oder Saboteur im Land des Feindes. Famulant Karlovic ist hier als Siedler im Balkhan aufgewachsen und von Dr. Gräber rekrutiert worden. Die andere Ärztin gibt uns mehr Rätsel auf: niemand kennt ihren Namen. Ist sie vom Spital gesandt worden, um hier eine bestimmte Mission zu erfüllen?



Die Ärzte
Im Dienste der Menschheit

Gesetzeshüter unter sich

Jo Gendo ist Advokat. In den Insignien seines Amtes – Hut, Richthammer und Mantel – verkörpert er auch hier in der Fremde die Ideale des Richterkults. Aber seine Augen haben einen merkwürdigen Schimmer angenommen. Die Protektoren Tasso, Hegel und Radbod merken, dass irgendetwas mit dem hochgewachsenen Advokaten nicht stimmt. Im Laufe des Abends erhärtet sich der Verdacht: Er macht krumme Geschäfte mit den Apokalyptikern, verschenkt seinen Hut an die Rabin. Ein Seesack mit hellvetischen Abzeichen wird von einem Finken gebracht – weitere Schmuggelware?

Tarn Radbod mag dem Kult den Rücken gekehrt haben – den Idealen des Kodex jedoch ist er treu geblieben. Und so stellt er den Advokaten zur Rede. Sein Ultimatum: entweder Gendo legt Mantel und Hut ab, oder er hält sich an den Kodex.

Der
Advokat nimmt plötzlich Haltung an. Sein Blick wird stechend, der Rücken versteift sich. Der Richterkult könne den Menschen weder Frieden noch Gerechtigkeit geben, herrscht er Radbod an, nur die Furcht könne dies bewirken! Er reißt sich die Insignien seiner Richterrolle vom Leib, wirft sie von sich. Eine Rolle nur, sagt er, die er zum Wohle der Menschheit gespielt habe! Im Seesack liegt eine Uniform für ihn bereit. Auf den Ärmeln ist sein wirklicher Name aufgestickt: Wachtmeister Joseph Winterkorn, Hellvetische Gebirgsgendarmerie.


Unterdessen ist
Protektor Tasso mit dem Purger Benjo aneinandergeraten. Sichtlich in Bedrängnis reißt der Purger seine abgesägte Schrotflinte hoch. Zu spät hebt auch der Richter die Muskete: kopfschüttelnd können die Spitalier nur noch den Exitus feststellen und die Reste der Hirnschale einsammeln.




Die Richter
Kodex und Doktrin

Der Tod des Schlägers

Cilius ist Wiedertäufer, ein Orgiast. Nun sind diese wilden Krieger nicht für ihre Langmut bekannt, insbesondere mit Apokalyptikern, den Knechten des Demiurgen. Seine Tirade gegen die Hurerei in der Staublounge nimmt ihm der hünenhafte Schrotter Brok, der Beschützer der Elster Tala, übel. Die beiden Hitzköpfe geraten aneinander, und Brok wird vom Schwert des Täufers niedergestreckt. Mischief, die ihm zu Hilfe eilen will, geht mit einer Armverletzung zu Boden.

Außer sich vor Zorn stößt
Tala Cilius das Messer in die Weichteile – der verletzte Wiedertäufer erhält in der Spülhölle Asyl, die sich langsam zum Sammelbecken der Feinde der Abendseglerschar entwickelt.

Bing – ausgerechnet ein Aasgeier – flickt den Täufer wieder zusammen. Cilius muss sich möglicherweise eingestehen, dass er dem Erzfeind sein Leben verdankt. Angelegentlich plaudert der Apokalyptiker mit dem Orgiasten, der zuerst mürrisch, dann zunehmend entspannter zuhört.

Unterdessen nimmt sich
Tala Benjo zur Brust, der den verletzten Brok erschossen hat. Der Purger sei ihr jetzt etwas schuldig! Denn der Hüne war ihr nicht nur Leibwächter und Liebhaber, sondern brachte auch durch Grubenkämpfe eine Menge Wechsel ein. Und so findet sich Benjo in Gefangenschaft und unter Drogen als neuer Vorkämpfer der Schar wieder, um seine Schuld abzutragen





Broks Tod
Schläger gegen Orgiasten

Apokalyptiker: Pack schlägt sich, Pack verträgt sich

Die Abendsegler sind hier im Nest die dominierende Schar. Hurerei und Glüsksspiel sind fest in ihrer Hand, hier trifft man sich, um von Raubzügen auszuruhen und bei einem Becher Destillat neue Taten zu planen. Ihre Gäste können wählen: für den feinen Geschmack die Luxussuite mit
Elstern und Burn, für den Durchschnitts-Geldbeutel Finken und Destillat, für fünf lumpige Wechsel immerhin Handmaschine und Wasser.

Aber andere Vögel kreisen schon über dem Nest: dreist lässt sich
Black, der Rabe einer rivalisierenden Schar, in der Versammlung nieder. Er schlägt einen Wettbewerb vor. Wenn seine Schar am Ende des Tages mehr wertvolle Ausrüstung von den Gästen gestohlen habe als die Elstern und Finken der Abendsegler, übernehmen sie das Nest. Jag, die Raubkrähe, lacht hämisch, schlägt aber ein.

Während die neue Schar sich fieberhaft an die Arbeit macht, geben sich die Abendsegler eher entspannt: der Vorteil des Territoriums ist auf ihrer Seite. Schließlich kommt die Beute freiwillig zu ihnen, in das
Elsternnest. Man muss sie nur noch ausnehmen.

Auch einige unabhängige
Apos haben sich eingefunden, um mit den Abendseglern Geschäfte zu machen: Trzy, ein pollnischer Specht, und die Eule Hybreed. Sie könnten das Zünglein an der Waage zwischen den beiden Scharen sein, aber noch geben sie sich neutral.


Inzwischen haben
Specht Bing und Black die Spülhölle zu ihrem Hauptquartier gemacht. Sie mischen die Karten, teilen aus; die Würfel rollen. Shanti, die Rabin der Abendsegler, kann der Versuchung nicht widerstehen. Sie fordert Black zu einer Partie Go heraus. Das Spiel wird zur Willensprobe. Beide geben sich nonchalant, belauern dabei den Gegner. Das Brett füllt sich mit schwarzen und weißen Steinen. Zuletzt lehnt sich Shanti triumphierend zurück und blickt den unterlegenen Raben herausfordernd an. Das sei ein Omen auf den Ausgang des Wettbewerbs, haucht sie ihm lasziv ins Ohr und streicht ihm über die Wange.

Tatsächlich werden die Abendsegler am Ende der Nacht mit einem ansehnlichen Haufen Diebesgut gewonnen haben; die Zufriedenheit, das eigene Territorium erfolgreich verteidigt zu haben, hält sich jedoch in Grenzen. Zu sehr überschatten andere Ereignisse diesen Sieg.





Die Abendseglerschar
Unter Belagerung



Die Apokalyptiker
Feindliche Übernahme?


Der Arm des Gesetzes

Denn auch in der Abendseglerschar gibt es Spannungen.
Tala, die immer mehr Einfluss auf die Raubkrähe Jag gewinnt, ist der Rabin Shanti ein Dorn im Auge. Die Gelegenheit ist günstig: Talas Beschützer Brok ist aus dem Rennen, Friede seiner Asche. Doch mit eigener Hand will Shanti ihre Rivalin nicht töten – das verstieße gegen die Gesetze der Zugvögel. Da kommt es ihr recht, dass Protektor Hegel noch eine offene Rechnung mit Tala hat – sie hat ihn seinerzeit im Dispenser niedergeschlagen und ist aus der Wachstube geflohen. Noch zögert Hegel, sie aus der gut bewachten Schar heraus zu verhaften, doch mit einem kleinen Stups in die richtige Richtung...

Shanti passt den richtigen Zeitpunkt ab. Sie verwickelt den Protektor in ein Gespräch, lässt ihre Hypnose wirken. Töte Tala, flüstert sie ihm ein. Wegen tätlichen Angriffs auf einen Richter. Du willst es doch auch. Nur zu willig lässt sich Hegel becircen.

Kurze Zeit später sitzt die Schar in der Staub-Lounge bei der Beratung, als die Tür aufgestoßen wird und eine kräftige Gestalt mit Hut eintritt. Mit Donnerstimme verkündet
Protektor Hegel das Urteil und drückt ab. Das Pik-As fällt zu Boden. Jag springt auf und schießt den fliehenden Hegel an, doch zu spät: in einer Blutlache liegt die Elster in der Mitte ihrer Schar.


Hegel bricht im Korridor zusammen und wird von der rivalisierenden Schar in die Spülhölle geschleift. Bing flickt ihn notdürftig zusammen – der Feind meines Feindes ist mein Freund! Abwechselnd halten die Apokalyptiker Wache bei dem fiebernden Richter. Einmal müssen sie Jag abwehren, der mit einem altersschwachen Revolver in der Hand ins Zimmer stürmt. Doch die Knarre hat Ladehemmung. Hegel überlebt.


Den Rest der Nacht ringt
Tala in der Staublounge mit dem Tod. Mehrmals steht ihr Lebensfunke auf Messers Schneide, als ihr die Kugel stümperhaft entfernt wird. Doch auch im Koma bleibt sie zäh und klammert sich an das Leben. Und der ahnungslose Jag bestimmt ausgerechnet Shanti dazu, bei ihr Wache zu halten!

Neben der Bewußtlosen spielt
Shanti eine Tarotkarte nach der anderen aus, lässt eine nach der anderen durch ihre Hände gleiten, streichelt Talas Gesicht. Das Kissen liegt neben ihr, mit dem sie ihre Rivalin ersticken kann – es ist so einfach! Doch die Karte, die Talas Tod befiehlt, erscheint nicht. Lange sitzt sie sinnend neben Talas Körper, dann legt sie sanft das Kissen unter ihren Kopf und geht davon. Das für Tala bestimmte Pik-As nimmt sie mit.







Trauerfall bei den Abendseglern
Von der Schippe gesprungen


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