fraktal.5 : BITTERER HONIG

ENDZEIT-LARP NACH DEGENESIS®
03.07.-05.07.2015
15345 Prötzel (bei Berlin)






FESTER BODEN

Pont-neuf-du-Serrain ist verlassen.

Die Stadt liegt in Ruinen, aber der Boden ist fest: hier und dort hat der Sumpf den Beton unterspült, doch die Gebäude haben dem Zahn der Zeit getrotzt. Die südfrankische Sonne brennt auf den Asphalt. Eine einsame, hagere Gestalt patrouilliert die Straßen, ruhigen Schrittes und wachsam.

Korporal Urs Lüthi ist freiwillig hier, an der Grenze zum Territorium der Schwarmkönigin Ariss. Er hat sich versetzen lassen, heraus aus dem Apparat der Territorialregionen, so weit wie möglich weg von der Überwachung der Offiziere: aus den Augen, aus dem Sinn. Hier in Franka schwingt sein Geist im Takt, kann er frei denken.

Zur Linken: eine Reihe maroder Gebäude. Dort weiß er die Spitalierenklave. Ungeliebte Nachbarn, vor denen man die Burnsucht geheimhalten muss. Angriffstrupps sammeln sich dort, um ins Gebiet der Ariss vorzudringen, mit Brandstaub und Sprenggranaten. Nadelstiche, die die Drohnen jedesmal in blinder Wut gegen die Sperren anrennen lassen, bis sich der Schwarm wieder beruhigt. Ein Ärgernis.


BEGEGNUNG


Schritte auf dem Asphalt reißen Lüthi aus seinen Gedanken. Eine Gruppe frankischer Wilder mit bemalten Gesichtern, vorsichtig einen Fuß vor den anderen setzend, die Speere vorgestreckt, schnüren wie Wölfe die Straße entlang. Lüthi entsichert den Wegbereiter und strafft die Schultern.

Der erste Kontakt verläuft routiniert, auch wenn die Franker ihn umringen, den ungewohnten Keramikharnisch staunend betasten und an der Ausrüstung herumzupfen. Lüthi kennt seine Aufgaben: vor der Grenze des Schwarmterritoriums warnen, Neuankömmlinge einweisen, einfache Verhaltensregeln aufzählen. Damit ist der Pflicht Genüge getan, auch wenn unklar ist, ob die Sipplinge auch nur ein schwyzerdütsches Wort verstanden haben. Immerhin verziehen sie sich gehorsam in die Ruinen und scheinen die Grenze zu respektieren. Um so besser: Lüthi hasst Ärger.


VERDICHTUNG


Die Wilden sind nur die Vorhut. Eine Gruppe Jehammedaner aus Hybrispania, unterwegs auf Pilgerfahrt - wohin? Nach Kreta? Nie gehört. Ein wortkarger Chronist mit seiner platinblonden Begleiterin, die nach der kurzen Vergatterung eifrig durch die Ruinen stöbern. Stämmige Schrotter aus Borca, die sich "das Sammelsurium" nennen. Und ein Kamerad aus der Territorialregion II, der Gefreite Falkenberg. Das macht Lüthi nervös: Kontakt mit dem Territorialkommando verheißt selten gute Nachrichten; zuallermindest wird der Kamerad die selbstgewählte Einsamkeit stören, und man wird den Burnkonsum vor ihm verstecken müssen.

Eine Gruppe, angeführt vom Borcer Hagen Lanz, unterwegs zu den Jagdgründen der Brandschwingen, und die Zugvögel der Abendseglerschar, mit demselben Ziel. Hier braut sich etwas zusammen: die Brandschwingen sind die Könige des Burnhandels mit Südfranka - wenn man den Gerüchten Glauben schenkt, sind sie einen unheiligen Pakt mit der Pheromantenkönigin Ariss eingegangen. Sind die Abendsegler hier, um ihnen die Burnrouten streitig zu machen? Auch Lanz´ "Charger" sind im Domstädter Umland berüchtigt als Banditen und Gesetzlose. Besser, man behält die Neuankömmlinge im Blick.

Den Spitalier hingegen nickt der Helvetiker ab: Famulant Otim Musiol, Pharmazeutiker, mit Medikamenten zur Spitalierenklave unterwegs. Frau Dr. Beaulieu wird´s freuen, die Kommandantin Wachtmeister LaGrange weniger. Spitalier bedeuten hier draußen Ärger, zuallermindest aber Störung des Schwarmfriedens.






Patrouille in den Ruinen.



Die Wilden der de l´Île werden freundlich eingewiesen.



Hier verläuft die Grenze.



Der Gefreite Falkenberg wird misstrauisch empfangen.



Musiol erkundet die Ruinen.



DUFTPROBE


Die Grenze wird nicht nur von Hellvetikern bewacht. Die erste Sichtung der Fremden versetzt den Menschenschwarm der Ariss in mäßige Aufregung. Menschen in zerlumpter frankischer Kleidung taumeln aus der Zone. Ihr Blick ist leer, die Augen hinter Gazeschleiern verborgen. Scheinbar ziellos bewegen sie sich in den Ruinen hin und her, riechen an Menschen, betasten Kleidung und Ausrüstung. Ein merkwürdiger, honigartiger Duft geht von ihnen aus: Die Drohnen der Pheromantenkönigin untersuchen die Störung.

Korporal Lüthi und die Wilden der de l´Île sind im Umgang mit den Drohnen alte Hasen. Ignorieren, Blickkontakt vermeiden, ruhig stehen bleiben, nicht bewegen, bis sie vorbei sind. Diese Drohnen sind nicht aggressiv – noch nicht.


SÄBELHIEBE


Nicht jeder besitzt freilich die Selbstbeherrschung der Hellvetiker. Die schwer bedrängten jehammedanischen Neuankömmlinge setzen sich zur Wehr: der Säbel des Isaaki streckt mehrere der zudringlichen Drohnen nieder – und der Geruch toter Schwarmmitglieder versetzt die anderen in blinden Zorn. Wie Wespen stürzen sie sich auf die markierten Jehammedaner, verfolgen sie bis in die Gebäude hinein, versuchen sie mit bloßen Händen zu fassen und zu zerreißen.


BEHANDLUNG


Binnen kurzer Zeit liegen Isaaki und Ismaeli schwer verletzt auf dem Boden, umringt von den Leichen mehrerer Drohnen. Sporen wuchern aus den Lungen der Toten, drohen langsam die Gebäudeeingänge zu blockieren. Mit einem satten Schmatzen schließt sich die gefettete Gasmaske um Musiols rasierten Schädel. Die Maske macht den leutseligen Arzt zu einer anderen Person: dienstlich und hart. Sein Körper strafft sich, die Stimme wird schnarrend, die Augen blicken kalt durch die Sichtgläser, mustern Menschen, Sporen und Insekten mit dem gleichen Blick. Die ersten Dinge zuerst: Er organisiert zunächst die Räumung, dann erst widmet er sich den Randproblemen.

Verzweifelt werfen sich die Saraeli und die Hagari auf die Knie, berühren flehend den Neopren des Arztes: ihre Männer brauchen Hilfe. Musiol bleibt unbeeindruckt: die Statuten des Spitals verlangen von ihm, vor der Behandlung die festgesetzte Bezahlung einzuziehen. Tränen und Jammern helfen nichts: die Jehammedanerinnen bieten verzweifelt den Umstehenden ihren Familienschmuck an, um die Behandlung bezahlen zu können.







Jehammedaner auf Pilgerreise.




Glaube und Stahl erzürnen die Drohnen nur.



Das Spital hilft - aber die Behandlung ist nicht umsonst.



Flehende Augen.



SCAN


E.V.A. und Raid sind in Franka, um die Ausrüstung eines Alkovens zu bergen, der beim Rückzug der Spitalier von der Front überstürzt zurückgelassen wurde. Der Mittler verwendet das silberblonde Sipplingsmädchen als Interface – sie versteht und übersetzt die Programmiersprache, in der er kommuniziert. Über ihre Vergangenheit spricht sie wenig: der Chronist hat sie als Kind in den schwelenden Ruinen ihres Dorfes aufgelesen und mit Reizstrom konditioniert.

Als einer der Schrotter in den Ruinen eine Lichtschranke durchbricht und damit einen gellenden Alarm auslöst, ist das Rätsel um den Verbleib des Alkovens schnell gelöst. Raid entfernt den unerwünschten Störenfried, und die beiden beziehen mit ihrer Ausrüstung die Räume. Nach mehreren fruchtlosen Versuchen stellt sich schnell heraus: der Generator ist hinüber – reaktivieren kann man die Ausrüstung nicht. Immerhin: ein Zuhause fern vom warmen Mutterleib des Clusters.


PROTOCOL


Die frankischen Wilden der de l´Île sehen im Chronisten Raid einen weissagenden Dämon. Sie fallen vor ihm auf die Knie, lauschen seinen verzerrten Worten, versuchen ihn vor den Drohnen zu beschützen. Schwieriger wird es, E.V.A. als seine Stimme und Priesterin anzuerkennen. Zuletzt ist man jedoch arrangiert.




E.V.A. und Raid.




Ausrüstung geborgen.



FEINDESLAND


Die Spitalierenklave ist dürftig ausgestattet. Ein kleines Labor, ein Behandlungsraum und eine Sammlung von materia medica, das ist das persönliche Reich von Dr. Régine Beaulieu. Die zierliche gebürtige Frankerin blieb hier, als der Schwarm die Front durchbrach und die Spitalier die Gegend eilends räumten. Seitdem organisiert sie den Widerstand gegen die Ariss, schickt Kommandos in die Schlotstraßen, teilt Brandsätze, Gifte und Sprengdosen aus, pflegt Kontakte zur Résistance und schleust Agenten in die Weichenstädte ein. In der Wahl ihrer Mittel kann sie fern vom Spital und tief im Land des Feindes nicht wählerisch sein. Sie heuert Verbrecher und Apokalyptiker für Geleitschutz und Sabotage an, bezahlt sie mit beschlagnahmtem Burn und Medikamenten aus der Offizin.

Unterstützt wird Beaulieu durch die du Valle, eine ortsansässige Sippe. Valerie du Valle ist ihr als Assistentin zugeteilt; andere Sippenangehörige bilden ein Netz aus Spitzeln und Agenten. Seit sie sich von den de l´Île lossagten, tragen die du Valle das Zeichen der Schande, den Bastardbalken, und haben einen verdienten Ruf für zwielichtige Geschäfte. Wertvolle Kontakte für einen Guerillakrieg.

Das Spital weiß um Beaulieus Wert und teilt ihr Ressourcen zu, die weit über das übliche Maß einer Feldärztin hinausgehen: epigenetische Kampfstoffe, Waffen, Venena. Rechtfertigen muss sie ihren Verbrauch nicht: jeder Tropfen Medizin, jede Patrone dient der Sache des Spitals und schadet der pheromantischen Brut.


ZWEIFEL


Für Famulant Musiol und seine Vorgesetzten stellt sich die Sache ein wenig anders dar. Mittel des Spitals finden ihren Weg in die Taschen von Apokalyptikern und Sipplingen oder versickern in dubiosen Quellen – baut sich Frau Doktor Beaulieu hier ihr eigenes kleines Imperium auf? Kurz: ist sie vom Weg abgekommen? Nährt das Spital hier eine Schlange am Busen?

Das Misstrauen wird noch genährt von einem Agenten der Liberté, einem gewissen La Salle, der sich unter die Fremden gemischt hat und gegen die Spitalier hetzt. Der agent provocateur ist Teil eines Zusammenschlusses von Sippen, die Angst vor der Übermachtstellung der Ärzte im Widerstand haben: sie wollen nicht die Knute der Pheromanten gegen das Diktat des Spitals eintauschen. Franka den Frankern! Dafür ist ihnen jedes Mittel recht. Und so verbreitet La Salle (wenn auch mit mäßigem Erfolg) Gerüchte: Niedergebrannte Dörfer, Experimente an Kindern, Vergasung ganzer Gemeinschaften durch die Preservistenkommandos. Nicht alles fällt auf fruchtbaren Boden: viele der Neuankömmlinge verdanken ihr Leben der Behandlung durch Spitalier. Dennoch bleibt ein Körnchen Zweifel.


SCHULTERSCHLUSS


Für Musiol ist die Sache klar: er muss sich Unterstützung verschaffen, bevor er die Ärztin auf die Probe stellt. Wenn er nicht gerade die Maske trägt, ist der Famulant ein umgänglicher Mensch, der andere gut überzeugen kann: bei ein paar Bechern Destillat und angeregten Gesprächen macht er sich die de l´Île gewogen – die Franker sind als Mitglieder der Résistance und Feinde der Pheromanten natürliche Verbündete der Spitalier. Gemeinsam schwört man, der Ariss zu schaden, wo immer man kann.






Dr. Beaulieu.




La Salle verbreitet sein Gift.




Famulant Musiol befragt die Sipplinge.






AUFTRAG


Fremde in dieser frankischen Ödnis: fremdartige Zeichen auf den Umhängen und Überwürfen, schwere urvölkische Feuerwaffen, maskierte Gesichter. Karait und Kastor sind Elitekämpfer von reinem exaltischen Blut, ernannt von den Dejektoren der Stadt. Und sie sind mit einem Gefangenen hier: einem schmächtigen Mann mit Hut, der sich Karl Mars nennt. Sie haben seine Leibwache aus vier hellvetischen Grenadieren beseitigt und ihn aus dem Protektorat hierher gezerrt, ins sumpfige Franka, ohne ein Wort der Erklärung.

Karl Mars ist kein unbeschriebenes Blatt: im Ödland bekannt wie ein bunter Hund, ist er Spross einer reichen justitianischen Bürgerfamilie, ein Lebemann und Philantrop, Entdecker, Diplomat und Forscher. Während der Getreideknappheit im Protektorat hat er großzügig aus seinem Privatvermögen Nahrungsmittel angekauft und verteilen lassen. Auch andere Gerüchte sind im Umlauf: im Balkhan soll ihn die Forschungsgruppe Dr. Kaminski gemeinsam mit abtrünnigen Chronisten einen Steuerchip exaltischer Herkunft in die Stirn implantiert haben; nur das Eingreifen beherzter Schrotter rettete ihn vor dem Dasein als kybernetischer Sklave. Doch ist dieser Mann Karl Mars?


ES IST ANDERS


Tatsächlich ist es ein Betrüger. Anders, ein Fink der Leichenvögel, hatte sich Mars als sein Meisterstück ausgesucht – ein Coup, der ihn auf einen Schlag zum Kuckuck befördert hätte. Das war zumindest der Plan.
Vermummt mit Umhang und Hut, einen von den Chronisten gestohlenen Chip auf die Stirn geklebt, betrat der Fink eine justitianische Wechselstube, um eine große Summe Wechsel von Karl Mars´ Konto abzuheben. Dieser Teil klappte reibungslos.

Vor der Wechselstube jedoch erwarteten ihn vier hellvetische Soldaten, die ihm Geleit anboten: es gebe schließlich einen General-Schutzkontrakt auf seinen Namen, es sei auch gar keine Mühe, dafür sei man ja da. Der verzweifelte Fink führte die Grenadiere zu einer Herberge ins Schwemmland, in der Hoffnung, sich dort unbemerkt verdrücken zu können. Doch dort schlugen die Exalter zu, erschossen seine selbsternannten Leibwächter aus dem Hinterhalt und nahmen ihn als Geisel.

Seitdem ist Anders in der Gewalt der Exalter. Sie behandeln ihn nicht schlecht, aber ihr Verhalten macht klar: die Schonung ist nur zeitweise. Jeder tolldreiste apokalyptische Fluchtversuch des Finken wäre zum Scheitern verurteilt. Was haben sie mit ihm vor? Oder mit dem Entdecker Mars, für den sie ihn halten? Anders spielt verzweifelt seine Rolle weiter: er weiß, dass diese wortkargen, professionellen Kämpfer ihn als Mitwisser beseitigen werden, wenn sie feststellen, dass er nicht Karl Mars ist.


SORGENKIND


Mars´ Familie ist inzwischen in großer Sorge. Der Entdecker ist auf Reisen in die Ramein-Region, man hat lange nichts von ihm gehört, und dann das Gerücht: er sei in einem Gasthof entführt worden. Die Richter handeln: Eine fürstliche Summe Wechsel wird ausgelobt für jeden, der Nachricht über seinen Verbleib bringen kann. Schon trudeln die ersten falschen Berichte ein: ein Schrotter namens Hagen Lanz soll ihn entführt haben, um Lösegeld zu erpressen.


BLUTBILD


Die Exalter zerren den falschen Karl Mars zu den Spitaliern: Einmal bitte das Blut untersuchen, danke sehr. Unterdessen riegeln zwei der Kämpfer das Behandlungszimmer ab und sorgen dafür, dass niemand die Prozedur stört. Sehr zum Unmut der Schrotter des Sammelsuriums, die sich am rauhen Ton der arroganten Exalter stören: halten sich wohl für was besseres? Zum Glück kann Vanguard, der Anführer der Schrotter, die Wogen glätten, bevor Schüsse fallen.

Unterdessen blickt Dr. Beaulieu vom Mikroskop auf und erklärt: alles in Ordnung, der Mann ist gesund. Keine Anomalien? Nein, keine. Die Exalter verbergen ihre Verwunderung hinter neutralen Mienen. Das macht Musiol hellhörig. Was ist so Besonderes an diesem Bürger und seinem Blut?

Dann verlangen die Gäste die Blutproben zurück, und alle Aufzeichnungen über den Vorgang. Zunächst sträubt sich die Beaulieu, aber nachdem eine große Summe Dinare den Besitzer gewechselt hat, gibt sie nach.








Karl Mars kann nicht mithalten.




Stippvisite beim Arzt.



ARISS

Die grausame und liebende Schwarmkönigin gebietet über Pont-neuf-du-Serrain. Bienen, Ameisen und Menschen umschwärmen sie, wenn sie sich ihrem Volk zeigt, saugen den Nektar aus ihren Poren und empfangen so ihre stummen Befehle in einem ektstatischen Liebesakt.

In ihrem Netz aus Pheromonen fangen sich die Menschen der Umgebung, taumeln auf spiraligen Bahnen auf den Ort zu, wie Motten auf das Licht. Sie werden willenlose Diener der Göttlichen, arbeiten an ihrer Stadt – bis sie sterben und durch neue Diener ersetzt werden.

Aber nicht nur Menschen dienen der Ariss. Die "Chasseurs", die Hetzer der Königin, sind schwächere Pheromanten, ihre Bluthunde, die mit ihrem Geruchssinn Fremde erkennen – und ist ein Eindringling erst einmal mit dem Todessekret markiert, schafft er es selten wieder aus dem Bau. Die sonst so friedlichen menschlichen Drohnen geraten in seiner Nähe in rasende Wut und zerreißen ihn.



DER SCHWARZE KÖNIG

Niemand hat Ariss´ Gespielen je zu Gesicht bekommen, doch man weiß von seiner Existenz. Am Lagerfeuer erzählen sich die Apokalyptiker, der "schwarze König" sei ein mächtiger Pheromant, der die Saat des legendären Machiawen in sich trage – er sei ein Sterblicher, der aus dem Meer gekommen sei und der aus Liebe, frei von pheromantischem Zwang, die Königin gefreit habe – er sei einer der grauenhaften Marodeure, der die Ariss auf unerklärliche Weise mit einem Konstrukt des Urvolks unter seine Kontrolle gebracht habe und nun das Blut der Drohnensklaven trinke. Man merke: sie wissen es auch nicht. Aber fest steht: der schwarze König beflügelt die Gedanken und Gerüchte der Menschen.




ZERFRESSEN


Entsetzen unter der jehammedanischen Pilgerschar: aus der Zone stolpern und schlurfen weitere Sklaven der Ariss – und an ihrer Spitze ein hohläugiger Mann in jehammedanischer Rüstung, behangen mit Bronzeperlen und bedeckt mit Tätowierungen. Jerobeam Isaak, ein gesegneter Sohn der Saraeli Mariam, Held zahlreicher Schlachten, eine willenlose Drohne? Die Jehammedaner achten nicht der Gefahr, sie umringen ihn, küssen seine Wangen, den Saum seines Gewandes. Jerobeam starrt mit leerem Gesicht zurück. Von dem berühmten Gotteskind ist nichts geblieben.

In ihrer Verzweiflung müssen sich die Jehammedaner wieder an die Ärzte des Spitals wenden. Eine Roßkur mit Ex soll den Einfluss der Pheromantin brechen - auch wenn Famulant Musiol der Sache von vornherein wenig Chancen einräumt. Immerhin schlägt die Therapie soweit an, dass der Ärmste nicht mehr den unsichtbaren Pheromonspuren folgt - und er scheint einige der Jehammedaner vage zu erkennen.

Indes ist die Freude nur von kurzer Dauer: im Bewusstsein, dass Gott für seinen Sündenfall eine Buße verlangt, dringt Jerobeam in die Sporenzone vor, auf dem Antlitz eine Gasmaske des Schrotter-Sammelsuriums. Die Drohnen spüren seine Gegenwart, und er stürzt sich auf sie - bis er markiert wird und schwer verletzt zu Boden geht.


KÖNIGSKIND


Unterdessen setzen bei der Rabin Mischief die Wehen ein. Unter solchen Umständen finden sich auch natürliche Feinde zusammen: die Schrotter rufen nach Dr. Beaulieu. Geburtsheilkunde sei nicht ihr Spezialgebiet, befindet die Ärztin, und zieht Experten hinzu. Ob die Jehammedanerinnen schon einmal bei einer Geburt geholfen hätten? Ja - bei Ziegen. Immerhin sind sie damit die besten Fachleute, die dieses Fleckchen frankischer Erde zu bieten hat.

Isaaki und Abrami stehen Schulter an Schulter mit den Schrottern und weisen alle Besucher zurück. Als die Hellvetiker, von einer unbestimmten Burn-Ahnung getrieben, an der Tür eintreffen, werden sie ruhig, aber bestimmt aufgehalten: Frauensache. Sie sei eine Frau, entgegnet Wachtmeister LaGrange, aber das trifft auf taube Ohren. Solange sie die Rüstung eines Mannes trage, sei sie keine Frau, bedeutet ihr der Abrami.

Die Geburt wird schwierig. Steißlage! Zudem beginnt der süßliche Geruch des Fruchtwassers einen merkwürdigen Effekt auf die Umstehenden zu entwickeln. Es dauert Ewigkeiten, bis der Säugling das Licht der Welt erblickt. Aus schwarzen, kalten Augen starrt er die Helfer an - und sie verstehen. Jehammedaner, Ärzte, Schrotter, Apokalyptiker: sie sind sofort im Bann des Kindes. Die Hand Dr. Beaulieus greift nach der Gasmaske, reflexartig - doch zu spät.

Verzweifelt und schreiend versucht sich Mischief an ihr Kind zu klammern: es wird ihr entrissen. In einer ekstatischen Prozession tragen die Menschen den kleinen, verschrumpelten Körper voran, bis in die Sporenzone. Und dort warten die Brandschwingen, die Diener der Ariss.





Jerobeam hat dem Gott Abrahams entsagt und dient einer anderen Göttin.




Die Ärzte sollen den Versucher austreiben.



Geburtshilfe für die Abendsegler.