fraktal.4
Prämonition
Endzeit-LARP nach Degenesis

12.07.-14.07.2013
15345 Prötzel (bei Berlin)


Ist es ein Segen, das eigene Schicksal zu kennen? Die
Hybrispanier könnten davon erzählen. Aber sie schweigen. Denn sie sind bereit, bis zum Äußersten zu gehen, wenn sie nur den schwarzen Feind von ihrem geheiligten Boden vertreiben können. Und die Africaner? Ihre anubischen Schamanen fechten einen verlorenen Kampf gegen die Prägnoktiker – und wie kann man einen Feind bekämpfen, der jeden Schritt bereits im Voraus erahnt?

Die Neolibyer haben andere Sorgen. Ihre Schiffe, die die
hybrispanische Küste anlaufen, werden von schnellen, wendigen Katamaranen geentert und ausgeplündert: Apokalyptiker der Meere, die Albatrosse und Möwen. Nadelstiche, sicherlich, doch die Handelsfürsten Tripols sind ungehalten: das Mittelmeer gehört ihnen, so glauben sie, und die Frechheit der Apokalyptiker führt sie als Narren vor. Und sie senden ihre Krieger aus: Die wendigen Kanonenboote der Geißler machen unerbittliche Jagd auf die Möwen, überführte Piraten werden erschossen oder versklavt.

Dennoch gibt es zahllose
Möwennester: verborgene Stützpunkte nahe der Küste, je einen Tagesmarsch von verborgenen Anlegestellen und Buchten entfernt. Nicht nur Apokalyptiker geben sich hier in den verfallenen Baracken die Hand: Schrotter warten die Generatoren, Chronisten legen Funk- und Telefonleitungen durch den hybrispanischen Wald, Spitalier nutzen die Nester als Ausgangspunkt für Expeditionen ins Kernland. Selbst die Pheromanten Frankas senden ihre Sklaven hierher, um Schmuggelware zu erhandeln und Neuigkeiten zu erfahren. Und die Nester werden beschützt: die Guerilleros halten ihre Hand über die Apokalyptiker, von denen sie im Gegenzug mit Kisten voller Waffen und Kriegsmaterial versorgt werden.


Die mutierten Kreaturen der hybrispanischen Sporenfelder ignorieren die Nester; doch wer kennt sich mit den Prägnoktikern aus, kann sagen, was sie denken? Mancher hier spürt den Sog ihrer Präsenz, eine innere Unruhe, die ihn ins Ödland zieht. Und wer sich ihr nicht entziehen kann, verlässt die Siedlungen und verschwindet. Kaum einer von ihnen wird je wiedergesehen. Und diejenigen, die zurückkehren, sind nicht mehr sie selbst.


Die Schar der Sturmvögel, die Herrscher von Posten 352, wurde von Geißlern aufgebracht und gehängt. Der klägliche Rest hat sich zurückgezogen und leckt seine Wunden: das Schicksal hatte erbarmungslos zugeschlagen. Die Karten hatten es vorausgesagt, doch verhindern konnte der Albatross es nicht. Posten 352 verfiel, das Sporenfeld wuchs, bis seine Ausläufer fast die Siedlung berührten.

Viele behaupten, der Schatz der Sturmvogel-Schar liege immer noch hier, luftdicht verpackt in versiegelten Kisten, tief begraben unter den Sporenflocken des Feldes. Und wie es in der Natur vergrabener Schätze liegt: in der Phantasie der Lagerfeuergeschichten nimmt er unermessliche Größe an, wird zu einem El Dorado, das seinen Finder unermesslich reich machen wird. Und selbstverständlich hat ein solcher Schatz auch Wächter: die legendären Amazonen sollen angeblich die Lage des Sturmvogelhortes kennen und jeden töten, der sich ihm nähert.


Hierher führt die Spur des Gesetzlosen
Jag Hammer. Kommt er ins Ödland, um die letzten Sturmvögel um sich zu scharen? Ist er auf der Flucht vor der Schar, die ihn verstoßen hat? Vor den Richtern? Was sucht die Raubkrähe im hybrispanischen Dschungel? Spürt er dem legendären Schatz nach, oder ist er auf der Suche nach sich selbst?

Was immer sein Ziel sein mag: hinter ihm sammeln sich die Geier. Die
Richter haben ihm den Angriff auf ihre Protektoren in Mobilis nicht verziehen. Die Abendseglerschar folgt einem neuen Raben, doch sie heften sich an Jags Fersen – aus Treue oder Rachedurst? Das vermögen vielleicht nicht einmal sie selbst zu sagen. Andere haben sich eingefunden auf der Suche nach dem Schatz. Doch hier ist Hybrispania, hier beginnt das Land der Prägnoktiker: hier werden menschliche Gefühle und Ziele unbedeutend und klein vor der Größe der Psychonauten, die Vergangenheit und Zukunft zu einem unergründlichen Teppich verweben.








Ankunft in Hybrispania

Der Katamaran hat abgelegt. Durch den Dschungel, entlang der sporenfreien Pfade, kämpfen sich die Gruppen, alle mit Ziel des verlassenen Außenpostens. Drei
Hellvetiker - Fourierin Dunant, Auxiliar Falkenberg und Auxiliarin Terra - unter der Führung von Korporal Jaeger haben den Auftrag, den Verbleib der Kameraden im Stützpunkt aufzuklären - insbesondere des Majors Leonhardt Kaempffer. Ein derart hochrangiger Offizier am Arsch der Welt in Hybrispania? Das Territorialkommando II schweigt sich aus. Ihre Pflicht, Soldat, und keine Fragen!

Das schließt nicht aus, dass jeder seine eigenen Gedanken und Ziele im Kopf hat.
Falkenberg ist auf der Suche nach einem Familienmitglied, das auf diesem Stützpunkt stationiert war und mit den anderen Kameraden zusammen vermisst wird. Ein tränenreicher Brief in seiner Tasche stammt von der Frau des Verlorenen. Terra kämpft immer noch mit ihrer Sucht, nachdem sie von Korporal Jaeger aus den Fängen Richard Premunds befreit wurde, der sie mit Drogen gefügig hielt.


Orgiasten der
Wiedertäufer folgen den Schweizern auf dem Fuße. Die Äxte und Kriegskeulen geschultert, sind Tarkus und Flake auf Seelenfang: die purgischen Emissäre winkten sie durch nach Westen. Hier sollen sie die Crístianos, eine örtliche Sekte bekehren - Frischfleisch für die Adriafront! (Niemand hat je den Täufern übermäßigen Altruismus vorgeworfen.)


Die Abendsegler-
Schar folgt der Spur Jag Hammers in die Ruinen. Mischief ist die treibende Kraft: in Jags alte Jacke gekleidet, ist sie so etwas wie die Anführerin der Schar - doch die wahre Rabin kann sie nur werden, wenn sie den alten Anführer im Kampf besiegt. Möglicherweise streiten in ihrem Kopf Loyalität zu Jag (sie hielt ihm als Einzige ihrer Schar die Treue, als die Abendsegler-Schar in Ferropol von den Richtern und Shantis Intrigen gesprengt wurde) und Ehrgeiz miteinander. Mit von der Partie ist eine bunter Schwarm Zugvögel - die Elstern Chricos und Crash; Tag, der Specht, ein Fink namens Clio.


Schrotter haben sich an die Fersen der Zugvögel gehängt. Visix und Taro sind mehr oder weniger im Auftrag der Chronisten hier, doch natürlich spukt ihnen das Gerücht über den vergrabenen Schatz der Sturmvögel im Hinterkopf: zu einem Zufallsfund würden sie natürlich nicht nein sagen. Beunruhigt sind sie durch die Gerüchte, die sie in den Apokalyptikerkaschemmen gehört haben: dass ganze Dörfer in der Gegend um Valencia entvölkert worden seien. Empfehlenswert, ein Auge offenzuhalten.


Ein blasser Sonderling mit Schlapphut und Ledermaske erbietet sich, Wasser zu holen. Tatsächlich ist
Tybalt ein Erwecker der Bleicher, auf geheimer Mission seines Bunkers. Durch ein Funkgerät, das er eifersüchtig verborgen hält, empfängt er das Raunen seines Demagogen - und dieser fordert von ihm, eine Codebox aus dem Hellvetiker-Stützpunkt zu entwenden und Falkenberg vom Leben zum Tode zu befördern. Sich mit den Höllenhunden anzulegen, ist keine leichte Aufgabe, doch Tybalt wird sein Bestes versuchen müssen.


Guillermo de Fuga ist hingegen auf eigene Faust hier. Der zähe Widerstandskämpfer folgt der Spur der Amazonen - der legendären "Guardianas" der Noden Chroma. Guillermo ist vertraut mit dem Leben im Dschungel, mit den Künsten des Hinterhalts und des Kampfes; sein Messer hat bereits das Blut manches Africaners gekostet. Für die Neuankömmlinge mit ihrem großspurigen Getue hat er ein trauriges Lächeln übrig: sie kennen die Art seines Landes nicht. Hybrispania wird sie zerkauen und wieder ausspucken.





Ankunft
Zug ins Unbekannte



Grausige Funde

Apokalyptiker und Hells erkunden vorsichtig die Ruinen. Sporen haben die meisten Gebäude überwuchert, die leeren Fensterrahmen starren wie die Augenhöhlen eines Toten. Überall sieht man verstohlene Bewegungen: man ist nicht allein in den Ruinen. Die Waffen zucken nervös von Eingang zu Eingang.

Jaeger ist die Ruhe selbst. Er schickt seinen kleinen Trupp in einem Standard-Suchmuster durch die Räume und lässt sie sich gegenseitig decken. Dies ist sein Fachgebiet. Gemeinsam mit den Wiedertäufern sichern sie ein weitgehend unversportes Gebäude und durchsuchen die Räume.

Der erste Fund ist eine blutige Uniformjacke, aufgespießt auf einen Speer: der Namenszug REDIN auf der Brust verrät, dass es sich bei dem Besitzer um einen der vermissten Kameraden handelt. Überall im Gebäude klebt getrocknetes Blut an den Wänden. Keine angenehmen Aussichten.

Am Ende des Ganges stoßen die
Hellvetiker auf eine Tür, die mit einem Schloss und Stacheldraht gesichert wurde. Eine Menge Aufwand, um Leute draußen zu halten. Nachdem das Hindernis durch Kriechen und den geschickten Gebrauch einer Zange beseitigt wurde, nehmen die Soldaten den Raum in Augenschein - und Jaeger zuckt vom Eingang zurück und übergibt sich.

Auf dem Fußboden des Raumes liegt in einer Pfütze aus Blut und verwesendem Fleisch der geborstene Schädel eines Menschen, sauber abgeschabt mit dem Skalpell, das daneben liegt. Darum herum gruppieren sich (wie zum Kontrast) Pritschen mit geradezu unnatürlich ordentlich gefalteten Decken, sauber gestapelte Kisten mit dem Schweizer Kreuz, ein aufgeräumtes Schreibpult. An der Wand hängt die Flagge der
Territorialregion IV: Offenbar hat Jaegers Trupp die Wachstube der Besatzung gefunden.

Fourierin Dunant durchsucht mit hartem Gesicht die Kisten. Zwar enthalten sie diverse Teile hellvetischer Standardausrüstung, aber die Harnische und Wegbereiter der Vermissten, die unbedingt geborgen werden sollen, sind nicht dabei. Das Dienstbuch des Kommandanten ist unvollständig: Seiten sind herausgerissen worden und nirgends zu finden. Die wenigen verbliebenen Aufzeichnungen berichten davon, dass der Stützpunkt von einem Sporenfeld verschlungen wurde. Die Hellvetiker wurden beim Versuch, Zivilisten zu retten, eingeschlossen. Die Rationen gingen zur Neige, und der Major schreibt von einem Verdacht, dass jemand - oder etwas - die hungernden Soldaten beobachtete.



Jemand lebt hier

Drei junge Frauen in der bunten
hybrispanischen Tracht - enge lederne Jacken und Hosen, die roten Stirnbänder der Guerilla und Blumen im Haar - erscheinen in den Ruinen. Mit ihren Vorderladerwaffen scheinen sie umgehen zu können, doch sie geben sich friedlich. Sara, Pilar und Junivera sind Guardianas. Sie gehören zu einer Gruppe keuscher Frauen, die etwas beschützt. Was beschützt? Ein Orakel, meinen sie ausweichend. Die Guardianas stellen Fragen. Und sie warnen davor, sich von den Gebäuden zu entfernen.

Zwei verängstigte
hybrispanische Bauern werden beim Durchsuchen der Ruinen aufgescheucht. Verstohlen betasten sie herumliegende Papiere: offenbar sind sie auf der Suche nach einem Dokument. Lesen können sie nicht: sie halten das Papier falsch herum. Was wollen sie mit ihren Funden? Diego und seine Schwester Lucilla sind einfache Menschen. Doch etwas scheint sie zu bedrücken. Und sie zucken voller Angst zurück, als ein Neuankömmling durch den Korridor stolziert. Herausgeputzt wie ein Pfau in roter Jacke, Stirnband, Pantalons und Säbel, zwei kleine Pistolen locker in den breiten Gürtel gesteckt, herrscht der Mann die beiden Péons an. Wie lange sie noch zu brauchen gedächten? Er reißt Lucilla die blutbefleckte Jacke von den Schultern, die sie angeblich in den Ruinen gefunden hat: eine hellvetische Uniform!

Der eitle Geck entpuppt sich als "El Cadoro", ein ehemaliger Caballero - ein Landedelmann -, der sich auf Raubzüge verlegt hat, bis ihm eine Gruppe schwarzvermummter Crístianos die Bande wegschoss. Seine Leibeigenen schikaniert er - sehr zum Missfallen der versammelten
Hellvetiker, die die Péons prompt unter ihren Schutz stellen.


Die Guardianas haben ein ganz eigenes Hühnchen mit dem Räuberhauptmann zu rupfen: er sei kein Guerillero, und dass er das rote Band des Blutes trage, sei eine Beleidigung! Der
Hybrispanier rümpft die Nase. Der hochfahrende Stolz beider Seiten verlangt ein Duell. Sara nimmt an. Die Säbel werden gezückt, Klingen schwirren und prallen funkenschlagend aufeinander. Der Caballero ficht einen guten Stil, doch die junge Guerillera hat die praktische Kampferfahrung auf ihrer Seite - und plötzlich läuft ihre kürzere Klinge an seiner Deckung vorbei und trifft das Bein des Gecken. Der Mann knickt mit schmerzverzerrtem Gesicht ein. Dann zieht er eine Pistole.

Die Umstehenden brüllen ihn an: Stecken lassen! Doch als sich einer der
Schrotter anschickt, den Caballero anzugreifen, halten ihn die Guardianas mit vorgehaltener Waffe auf. Ein Ehrenduell ist ein Ehrenduell. Da löst sich ein Schuss - versehentlich! - und der Hybrispanier sinkt zu Boden. Betretenes Schweigen.

Die
Apokalyptiker deuten den Flaum in den Mundwinkeln richtig - der Mann war versport, ein Träger der Saat -, und der stolze Cadoro wird über den Rand des Sporenfeldes geworfen. Ende der Diskussion.


Inzwischen sind
Diego und Lucilla von irgendetwas befallen worden. Sie reden in Zungen, verdrehen die Augen, ritzen sich blutige Spiralen in die Haut. Wenn sie klar sprechen können, scheint eine fremde Persönlichkeit aus ihnen zu reden: die Landfrau herrscht plötzlich die Wiedertäufer wie eine Richterin an, Diego erlebt einen rapiden Wechsel an Persönlichkeiten - die präzise, emotionslose Diktion eines Chronisten wechselt mit unverständlichem Gebrabbel, dann ist er plötzlich ein seit langem in Franka vermisster Preservist, dann wieder eine weibliche Elster, die es darauf anlegt, Jaeger zu verführen. Wer oder was auch immer die beiden befällt, es scheint auszuprobieren, zu sondieren - sind all diese Geister, die durch die armen Bauern wandern, ein Versuch, Kontakt aufzunehmen? Zu ihrer eigenen Sicherheit werden die beiden niedergeschlagen und gefesselt.





Péons, Guardianas und Crístianos
Land und Leute kennenlernen


CHROMA

Die Node Chroma ist die gestaltgewordene Vergangenheit und Zukunft Valencias. Die hybrispanischen Guerilleros verehren sie wie eine Göttin. Man sagt, sie erschafft Helden - und trinkt dann ihre Seele. Esteban Martiz, der Sieger von Valladolíd, wurde durch ihren Einfluss vom ungebildeten Péon zum brillanten und sadistischen Heerführer. Bis er im Wahn seine Männer und Frauen an der Geißlerfeste Torrecastro im Stich ließ, sich zum See der Node begab und nie wieder gesehen wurde.

Chroma besitzt tausend Gesichter, tausend Persönlichkeiten, die sie bereits getrunken hat. Sie wandert durch nichtsahnende Menschen, schaut aus ihren Augen. Hinterlässt ihr Zeichen, die Spirale. Zurück bleibt eine leere Hülle - oder eine fremde Seele.

Selten einmal begibt sich
Chromas Geist in die Gegenwart - nur dann, wenn sich ein Mensch in ihren ausgelegten Spiralen verfängt, dessen Geist die Extreme des Helden aufweist. Ihre Seele erkundet die Vergangenheit und Zukunft. Um ihren Leib kümmert sich ihre Garde aus jungfräulichen Kämpferinnen der Resistencia - die Guardianas. Voller Ehrfurcht füttern sie sie und waschen sie, verteidigen ihre sterbliche Hülle - und bereiten ihr den Weg, wenn sie von ihrem Bergsee herabsteigt in die Gefilde der Menschen.




Gesandte Gottes

Aus der Dunkelheit schälen sich drei Gestalten in schwarzen Umhängen, Masken und Roben. Die Waffen, die sie tragen, sind krude Schrottbüchsen, offenbar von ihnen selber zusammengebaut. Sie geben sich freundlich und demütig, schenken den Neuankömmlingen abgepackte Nahrung und sauberes Wasser. Crístianos seien sie, Brüder des Avestitenordens, von einem Kloster in der Nähe. Von den
Wiedertäufern befragt, geben sie bereitwillig Auskunft über ihren Glauben. Das Avestitenkloster, berichten sie, wurde vom Eshaton verschont aufgrund ihres festen und demütigen Glaubens. Die Mönche begannen, in der Umgebung zu wandern. Sie halfen den Menschen, indem sie Brunnen und landwirtschaftliche Geräte instandsetzten, und indem sie das einfache Abendmahl ihres Glaubens mit ihnen feierten.

Dann, so einer der Mönche, erschien eines Tages der Prophet, schwer versport und im Delirium. Er sprach vom Opfer, vom Fleisch und Blut, das hingegeben wird. Die Mönche pflegten ihn gesund und machten ihn zum Anführer, auf dass seine Visionen sie zum Kommen des Heilands geleiten sollten. Die Beschreibung des Mannes passt auf -
Major Leonhardt Kaempffer!

Nach den entvölkerten Landstrichen befragt, geben sich die Avestiten erstaunlich gleichmütig: vielleicht hätten die Menschen einfach eine neue Berufung gefunden und seien dorthin gegangen, wo sie gebraucht wurden? Die Erklärung befriedigt niemanden. Auch zu Einzelheiten ihrer Sakramente wie des Abendmahls hüllen sie sich in Schweigen. Die
Wiedertäufer sind misstrauisch.



Rückkehr des Verlorenen

Die Flure dröhnen unter beschlagenen Stiefeln, als eine Gestalt im
Harnisch der Hellvetiker auftaucht: Major Kaempffer, der vermisste Befehlshaber des Außenpostens. Vorschriftsmäßig grüßen die Soldaten. Kaempffer verliert keine Zeit. Er übernimmt das Kommando und lässt die Männer antreten. Doch die Initiative entgleitet ihm, die Truppe misstraut dem Zurückgekehrten. Falkenberg erhält keine befriedigende Antwort auf den Verbleib seines Vetters. Dunant und Jaeger stellen den Offizier zur Rede: der Verbleib der Sagur-11-Gewehre seiner Truppe? Kaempffer habe sie unbrauchbar gemacht und vergraben, damit sie dem Feind nicht in die Hände fielen. Die Crístianos? Nützliche Werkzeuge, erwidert der Major. Die anderen Soldaten der Truppe? Alle tot.

Mit den Antworten unzufrieden, nutzen
Jaeger und Dunant die Gunst der Stunde - Kaempffer hat den schweren Harnisch abgelegt - und lassen ihn von ihren Auxiliaren festsetzen. Jaeger rasselt die Gründe herunter: Verstoß gegen die Ordre de Bataille, Feigheit, Desertion der Truppe. Kaempffer begehrt auf. Er habe nur zum Besten Hellvetikas gehandelt, verfolge einen großen Plan! Dunant und Falkenberg bringen ihn in eine Verhörzelle.

Der Gefangene führt erbitterte Streitgespräche mit dem
Korporal: er wähnt sich im Recht. Er und seine Soldaten waren eingeschlossen im Sporenfeld, die Nahrung war aufgebraucht. Der Obergefreite Redin, verletzt und vom Wundfieber geschüttelt, bot von sich aus an, dass seine Kameraden ihn erschießen und essen sollten. Kaempffer selbst setzte den Schuss. Danach wurden Strohhalme gezogen: immer zog er den längeren Halm. Schon zu dieser Zeit meinte er zu spüren, dass etwas ihn beobachtete, vielleicht sein Schicksal manipulierte. Er meinte, eine muschelbedeckte Frau gesehen zu haben, am Rande seines Sichtfeldes - es mochte aber auch eine Hungerphantasie gewesen sein.

Als nur noch
Kaempffer übrig war, zog sich das Sporenfeld zurück: er nahm eine Pistole und eine Kaltlichtlampe und schleppte sich nach draußen, von einem inneren Drang geleitet. Bis er zusammenbrach und von den Avestitenmönchen gefunden wurde. Sie pflegten ihn gesund.

Als die Mönche, von seinen versporten Fiebervisionen angestachelt, ihn zu ihrem Propheten ernannten, spielte er mit. Denn in ihm war ein Plan gereift, von dem er annahm, dass es sein eigener war. Das Schweizer Volk wird von den
Hellvetikern erdrückt!, sagt er. Beschützen wir sie, verlieren sie alle Eigeninitiative. Sie sind glücklich mit dem Status quo: "die Armee wird es schon richten". Andererseits: Ziehen wir die Soldaten ab, ist das Volk leichte Beute für jede Räuberbande oder wilden Sipplingstamm der Berge. Beides kann auf Dauer nicht gutgehen.

Die Crístianos sind die Lösung!, herrscht er Jaeger an, und der Wahnsinn funkelt in seinen Augen. Er habe die Mönche zu Kriegern gedrillt, ihr unschuldiges Abendmahl mit Brot und Wein behutsam zu einem echten Blutopfer umgewandelt, es seinem eigentlichen Zweck zugeführt. In einem Gebiet losgelassen, werden die Mönche es nach und nach entvölkern, einen freien Raum schaffen - und sich dann gegenseitig töten und verzehren in Hingabe an ihren Cristos. Wie ein Virus, der sich selbst ausbrenne. Und dann gebe es ein freies Gebiet, in dem die Schweizer unbehelligt von der Armee und trotzdem sicher siedeln könnten! Jaeger schaudert.

Nicht nur die Schweizer seien das ehemalige Urvolk, das die Doktrin zu schützen befiehlt, schnauzt er den
Major an. All diese unschuldigen Menschen in den entvölkerten Dörfern seien ebenso zu verteidigen! Mit dem Leben des Soldaten, das ist seine verdammte Pflicht! Er werde ihn, Kaempffer, vor ein Kriegsgericht bringen. Damit dreht er sich auf dem Absatz um und wirft die Tür der Zelle zu.



Der Zweite Messias gibt sich zu erkennen

Unterdessen sind die Crístianos draußen vor dem Gebäude in Aufregung. Sie sind empört, dass die Neuankömmlinge Hexen unter sich dulden: damit meinen sie die Guardianas, die inzwischen angeregt mit den
Apokalyptikern und dem Guerillero plaudern. Sie seien mit dem Bösen im Bunde, zischen die schwarzen Mönche, sie brächten das Böse unter sie!

Und die
Péons, die immer noch in Zungen reden, jagen den Schwarzkitteln umso mehr einen heiligen Schrecken ein. Das Böse, die Dämonin sei bereits hier!, rufen sie. Sie weichen zurück, machen Zeichen gegen den bösen Blick. Sie fordern die Apokalyptiker auf, die Ärmsten zu töten - denn auch wenn das Böse wieder gehe, es bleibe immer etwas zurück. Als ihnen feindseliges Schweigen entgegenschlägt und niemand Anstalten macht, die Waffe gegen die Bauern zu heben, bieten sie an, die Verfluchten mitzunehmen, sie im heiligen Abendmahl mit dem Geist des Cristos zu erfüllen und so zu läutern.


Nicht so schnell, sagt der hinzugekommene
Korporal und verschränkt die Arme vor der breiten Brust. Die Péons stünden unter seinem Schutz, niemand werde sie essen. Er weigert sich, die verschüchterten Menschen an die Sekte auszuliefern, ebensowenig wie den Major Kaempffer, ihren Verkünder. Um die Mönche zum Einlenken zu bewegen, zitiert er aus einer zerfledderten Bibel, die er gefunden hat - und erfüllt damit unbewusst Kaempffers Prophezeiung über die Ankunft des neuen Messias unter dem Zeichen des Kreuzes.

Bruder Vadíz fällt vor dem
Hellvetiker auf die Knie, senkt den Kopf, bedeutet seinen Brüdern, es ihm gleichzutun. Sie geloben, keine Waffe gegen die Péons zu erheben. Als Jaeger geht, diskutieren die Mönche erregt untereinander. Das Kommen der Reinkarnation des Cristos, in ihrer Zeit! Welche Ehre! Sie sind von heiliger Ehrfurcht ergriffen. Er, der Gesalbte, Korporal Jaeger, wird gewiss sein Fleisch und Blut für sie hingeben und sie so mit dem heiligen Geist Gottes erfüllen! Die letzten Tage sind da, und das Kommen des Paradieses ist greifbar nahe!


Doch es zeichnet sich ab, dass der
Korporal nichts dergleichen vorhat. Und so schmieden die Mönche Pläne, sich ihres neuen Messias´ zu bemächtigen. An ihn selbst - sicher in der Wachstube - kommen sie nicht heran, also versuchen sie, Terra zu entführen und gegen den Gesalbten auszutauschen. Doch der Versuch schlägt fehl, da statt der jungen Auxiliarin Jaeger selbst zum Treffen erscheint, und das mit schwerer Bewachung. Der Hellvetiker bemerkt die angespannte Stimmung und trifft Sicherheitsvorkehrungen. Verunsichert ziehen sich die Schwarzkittel zurück.

Doch sie schließen im Gehen einen Pakt mit
Mischief: die Apokalyptikerin soll ihnen im Tausch gegen Jag Hammer Jaeger ausliefern. Beunruhigt darüber, dass die Crístianos von ihrer Suche wissen, schlägt sie ein - doch nicht ohne Hintergedanken.






Der Prophet
Ein Hellvetiker kehrt zurück


Nächtliches Spiel mit Todesfolge

Überzeugt, dass die Mönche noch Übles im Schilde führen, schlägt sich
Guillermo in die Büsche. Der sehnige Guerillakämpfer ist im Dschungel zu Hause: Wie eine Schlange windet er sich unbemerkt in sein Versteck, das geschwärzte Messer zwischen den Zähnen. Und er soll recht behalten: noch mehrmals schleichen sich die Avestiten im Schutz der Nacht an die Gebäude heran, bewegen sich wie lautlose Gespenster entlang der Korridore. Wo die schweren Waffen der Hellvetiker keinen Erfolg haben, schmeckt in dieser Nacht das Messer des Buschkriegers mit bemerkenswerter Effizienz das Blut der schwarzen Mönche. Am Morgen finden sich ein paar Kerben mehr in Guillermos Messergriff.

Ebenso übernimmt
Tag, der Specht der Abendsegler, mit seiner Armbrust die Sicherung der Gebäude, patrouilliert das Gebiet seiner Schar. Zum Schlafen kommt kaum jemand. Waren da Schritte auf dem Gang?


Die Node im Körper Lucillas kann ihre sterbliche Hülle befreien: an einem verborgenen Messer scheuert sie ihre Fesseln durch und entkommt in die Dunkelheit. Weit kommt sie nicht. Die Crístianos haben sich in der Umgegend verteilt und fangen sie in einem Netz. Die Node flieht aus dem Geist, und zurück bleibt eine verängstigte Frau. Sie wird festgehalten, und die Mönche schlagen ihre Zähne in ihr Fleisch: das Abendmahl mit seiner Hingabe von Fleisch und Blut soll sie läutern. Sie kann sich losreißen, schlägt die Arme beiseite, die nach ihr greifen, und flieht zurück zu den
Hellvetikern. Blutüberströmt bricht sie im Lager zusammen, ihre Kehle ist zerfetzt. Sie wird die Nacht nicht überleben.


Besucher aus dem Sporenfeld

Die Mönche sind nicht die einzigen nächtlichen Besucher: bleiche, verwachsene und haarlose Gestalten kriechen durch die Flure, zischen. Man sieht sie nur kurz aus dem Dunkel auftauchen, hört ihre Bewegungen im Gebälk des Daches. Schüsse krachen, als die Bewohner in Panik auf die Schatten feuern. Eine von ihnen (es mag einmal eine Frau gewesen sein) wird getroffen und geht unter grauenhaften Verrenkungen zu Boden - und stößt im Tod eine Sporenwolke aus, die ihre Mörder hastig ihre Masken aufsetzen und das Weite suchen lässt.

Damit ist es mit dem Schlaf endgültig vorbei: man drängt sich in einem nervösen Halbdämmer zusammen, hält abwechselnd Wache und reicht das Destillat herum. Bis der Tag heraufdämmert.




Nächtlicher Besuch
Sendlinge der Noden


DESAMPARADOS

Chroma, die Göttin, die prägnoktische Monstrosität, fordert Kinder. Sagen ihre Dienerinnen, wenn sie in den Dörfern auftauchen. Man bringt ihr die Waisen, die Verkrüppelten, die Schwachsinnigen. Die, deren Mutter im Kindbett starb und die, deren Muttermale sie als verflucht ausweisen. Im Sporenfeld auf Chromas Berg wachsen diese Kinder bei ihrer neuen Mutter auf. Ihre Hirnwindungen durchsetzen sich mit Flaum, die Schwingungen des Chakras pulsen durch ihren Geist, bis nichts mehr übrig ist als Chromas Wille, der sie lenkt. Sie sind Gefäße der Node, in denen sie all die Seelen ablegt, die sie schon getrunken hat - und an denen sie schwer trägt.

Ihre neue Mutter behandelt die Desamparados fast zärtlich, wenn sie gerade im Jetzt weilt. Vielleicht sieht sie ihr eigenes Schicksal (ihre Schicksale) in ihnen, als sie noch ein Mensch (ein Mensch?) war und von der Gemeinschaft in das Sporenfeld getrieben wurde. Wer weiß, zu welchen verbogenen Gefühlen Psychonauten fähig sind?




Heilige Erde

Zeit, Nägel mit Köpfen zu machen, denkt sich
Korporal Jaeger am Morgen. Die Hellvetiker und Wiedertäufer sammeln alle Kartuschenfilter, die sie für ihre Gasmasken bekommen können, prüfen ihre Waffen (schussbereit und scharf) und machen sich auf in das Sporenfeld. Hier muss irgendwo das ehemalige Lager der Spitalier sein, mit seinen Beständen an Medikamenten und Verbandmaterial - und mit einem eigenen Missionstagebuch, das möglicherweise mehr Licht auf die Vorkomnisse werfen kann. Wir machen Ernst, dies ist keine Übung: alle tragen volle Panzerung und Kampfgepäck. Es ist ein unheimliches Land, in das sie vordringen. Weiße, flaumige Sporenpacken liegen fingerdick auf den Blättern, wehen im Wind: dicker, öliger Nebel verdeckt die Sicht. Aus sicherer Entfernung schleichen die Apokalyptiker hinterher - geschützt mit einem Sammelsurium von Tüchern, Filtern und gefundenen Masken. Schlachtenbummler.

Am Rand der Ruinen werden die Kämpfer aufgehalten: die Guardianas stehen mit angelegten Waffen im Sporennebel, neben ihnen (nicht ganz freiwillig) die Reste von El Cadoros Räuberbande in roten Jacken. An einen Baum gefesselt, windet sich
Diego und ruft lauthals um Hilfe.

Dies sei heiliger Boden, ruft
Sara, keinen Schritt weiter! Jaeger versucht, freien Durchgang zu erwirken, aber es zeichnet sich ab, dass die Verhandlungen länger dauern werden, als die Gasmaskenfilter durchhalten. Zudem kann er seinen Schutzbefohlenen Diego nicht zu lange ohne Filtermaske den Sporen ausgesetzt lassen! So befiehlt er den Duchbruch.

Sekunden später ist alles vorbei. Im Feuer der
Wegbereiter gehen die Räuber zu Boden. Ein Knall aus Juniveras Gewehr, Falkenberg fällt mit schmerzverzerrtem Gesicht zurück, dann ist Tarkus heran und streckt eine der Guardianas mit der Machete nieder. Das Gebäude ist erobert.







Die Schlacht um das Spital
Heiliger Boden wird erobert


Erwachen

Das Spital ist weitgehend geplündert. Einige Stahlkisten haben überdauert: verpackte Fertignahrung, ein Neoprenanzug, Verbandkästen - und achtlos hineingestopft einige Fläschchen mit dem Antimykotikum Ex. Sehr zur Erleichterung des Überfallkommandos.
Diego ruckt und verzerrt das Gesicht, die Augen rollen, bis nur noch das Weiße sichtbar ist. Dann strafft sich der baumlange Sippling und nimmt Haltung an, als wäre sein Rückgrat ein Eisenpfeiler, die Gesichtszüge verhärten sich zu einer verkniffenen Maske: der Geist des Preservisten ist in den Körper des Bauern zurückgekehrt. Chroma schaut zu, kein falsches Wort jetzt.

Der
Péon stürzt in das zerstörte Backsteingebäude, reißt den Spitaliermantel von der Wand, einem der Gefallenen die Gasmaske vom Gesicht. Ein Ploppen von Gummi, Luft wird durch den Filter geschnaubt, dann ein tiefes Einatmen: Besser. Ein Schwert? Der Hüne greift nach dem rostigen Zweihänder eines Räubers. Nicht ganz das Richtige, aber es wird für den Moment genügen. Auf die Frage des Korporals, ob der Preservist dem verwundeten Falkenberg helfen könne, antwortet er mit der Gegenfrage: Wollen Sie das tatsächlich? Jaeger belässt es dabei und wendet sich ab.

Unterdessen packen
Tarkus und die Hellvetiker die Kisten zusammen und schleppen sie aus dem Sporenfeld. Zurück bleiben die Körper der Getöteten, die blicklos in den trüben Himmel starren.




Der Preservist erwacht
Chroma meistert ihr Werkzeug

Krähen und Gefallene

Über das verlassene Schlachtfeld schreitet eine hagere Gestalt. Hut und Gasmaske verdecken ihr Gesicht. Der Neuankömmling macht sich an den Gefallenen zu schaffen. Behutsam wischt er die Sporen aus Juniveras Gesicht, lauscht auf den Atem. Noch am Leben. Gut. Er schultert die Kämpferin, trägt sie vorsichtig bis zur Grenze des Sporenfeldes.
Jag Hammer nickt kurz in Guillermos Richtung, der dasselbe mit Pilar tut: ein Guerillero, der seinen verwundeten Compadres hilft. Dann wendet sich die Raubkrähe ab und verschwindet wieder im Sporenfeld.


Im Lager werden die Verwundeten versorgt:
Falkenberg erhält einen Verband für seinen Schulterdurchschuss, etliche Versporungen müssen mit einer Ex-Kur behandelt werden. Guillermo sieht zu, dass auch Pilar und Junivera behandelt werden, und schafft es tatsächlich, die Wiedertäufer ebenfalls zu überzeugen. Unter Schock durch den Blutverlust und die Wunde, schlägt Junivera die Augen auf - und verliebt sich in den verwegenen, kräftigen Orgiasten, der sie pflegt.

Pilar sieht diese Entwicklung mit Sorge und Eifersucht. Die Scham über das Versagen sitzt noch tief: sie haben es nicht vermocht, für die Sicherheit ihrer Göttin zu sorgen - und hier flirtet ihre Freundin mit dem Feind! Die Keuschheit ihres Ordens, die Pflicht gegenüber Chroma, ihre eigenen zarten Gefühle für sie, all das schlägt sie in den Wind! Pilar verbirgt ihr Entsetzen, doch hinter ihrer Stirn arbeitet es.


Unterdessen wird der
Bleicher Tybalt aktiv. Im fairen Kampf hätte er gegen den trainierten Hellvetiker keine Chance gehabt, aber nun bietet sich ihm die perfekte Gelegenheit. Er schleicht sich unter dem Vorwand, Wasser zu bringen, in die Wachstube und injiziert Sporen in Falkenbergs Wunde. Niemand bemerkt ihn, als er hinausschleicht, um seinen Erfolg über Funk an den Bunker zu melden. Doch der Bleicher hat die Rechnung ohne den Wirt gemacht: Diego behandelt die Versporung mit Ex - gerade rechtzeitig, um den Verwundeten zu retten. Nun lassen die Hellvetiker ihr Misstrauen fallen - genau, wie der Geist in ihm es geplant hat.




Pflege der Verwundeten
Freund und Feind vereint auf der Bahre


Kaempffer wird gerichtet

Chromas Plan geht auf: die Persönlichkeit des Preservisten in Diegos Körper erhält ohne Schwierigkeiten Zugang zu Kaempffers Zelle. Noch ist der destillierte Wahn, den sie in seinem Geist genährt hat, zu retten. Doch Chromas Nähe stachelt den lethargischen Gefangenen zu plözlicher manischer Aktivität auf. Er greift sich eine Waffe, bedroht die Fourierin, zwingt sie, zurückzuweichen. Ein schneller Griff, eine Drehung, und er presst die Pistole an Terras Schläfe. Keine Bewegung!

Doch
Kaempffer kommt nicht weit. Als er die Auxiliarin von sich stößt, wird er überwältigt und erneut in die Zelle geworfen.

Korporal Jaeger ist nicht amüsiert. Schließlich fasst er den Entschluss: der Major ist eine Gefahr und muss beseitigt werden. Mit einer Flasche guten Whiskys - ein letzter Dienst am Kameraden! - kommt er in die Zelle, spricht ernst mit dem gefallenen Hellvetiker. Dann, als Kaempffer die Flasche an die Lippen setzt und den scharfen Alkohol die Kehle herunterrinnen lässt, schießt ihm Jaeger in den Kopf. Eine kurze Gedenkminute: Leonhardt Kaempffer, Kamerad der Territorialregion IV, ist tot.





Der Tod des Propheten
Kaempffers letzter Kampf


Die Gegend ist nicht sicher

Die Beseitigung der Guardianas hat eine unerwartete Nebenwirkung: ohne die "Hexen", die das Gebiet sichern, wimmelt plötzlich die Gegend nur so von Kämpfern des Avestitenordens. Nur
Tags und Guillermos Wachsamkeit ist es zu verdanken, dass es zu keinen größeren Verlusten kommt, Fourierin Dunant steht nahezu ununterbrochen reglos mit ihrer Pistole am Lagereingang Wache. Die Schwarzkittel erobern das ehemalige Spitalgebäude und verschanzen sich, unternehmen erfolglose Vorstöße auf das Lager - immer mit dem Ziel, ihren Messias, Korporal Jaeger, ins Freie zu locken. Guillermo und die Mönche liefern sich ein tödliches Katz-und-Maus-Spiel in den versporten Wäldern: sie schleichen umeinander herum, lauern, manövrieren - und schlagen dann blitzschnell zu.

Der Gegenschlag lässt nicht lange auf sich warten. Die flüchtenden Crístianos werden bis zum Spital verfolgt und niedergemacht. Unterwegs gabelt man
Dr. Degenhardt auf - der zwielichtige Spitalier ist hier, um die Unterlagen der Expedition zu beseitigen. Zu seinem Unglück haben die Hellvetiker das belastende Material bereits geborgen. Die Information, dass die Spitalierexpedition das Sporenfeld selbst gelegt hatte, um die Interaktion zwischen Prägnoktikern und Sporenausbreitung zu studieren, befindet sich sicher verwahrt in Eva Dunants Mappe, für die Rückverbringung zum Territorialkommando. Verdammt!

Um das Beste aus der Situation zu machen, biedert sich
Degenhardt bei den Hellvetikern an, versorgt die Verletzten und beobachtet den Entsporungsprozess. Vielleicht kann er ja in einem unbeobachteten Moment die Papiere an sich bringen. Aber die Schweizer sind wachsam, da ist keine Möglichkeit.




Zweiter Vorstoß zum Spital
Die Gefahr der Avestiten beseitigen



Verhandlungen

Inzwischen sind Verstärkungen für die Guardianas eingetroffen. Die resolute
Doña Serna, eine der Anführerinnen, erscheint mit ihren Schwestern im Lager und verlangt, Korporal Jaeger zu sprechen. Nach zähen Verhandlungen einigt man sich auf eine Grenze; zur gegenseitigen Sicherheit sollen Geiseln ausgetauscht werden. Sernas Wahl fällt auf Junivera - mit Hintergedanken. Die Abtrünnige bedeutet ihr nichts, und sie plant bereits, ihr Wort zu brechen. Pilar ist hin- und hergerissen zwischen ihrer zarten Zuneigung zu Junivera und der Raison ihres Ordens. Doch zuletzt, unter Doña Sernas strengem Blick, stimmt sie zu und übergibt ihre Freundin ihrem Schicksal.

Der Austausch schlägt fehl. Die
Hellvetiker und Wiedertäufer sind sich sicher, dass sie betrogen werden sollen, und kommen bewaffnet zum Treffen. Als Junivera dann von Sernas Pfeil aus dem Hinterhalt getroffen wird, haben sie Gewissheit. Sie wenden sich gegen die Guardianas, töten einige und schlagen die anderen in die Flucht.




Die Verhandlungen scheitern
Tod einer Liebenden


Zurück im Nest

Kaum ist die Lage bereinigt, schon rucken die Waffen wieder nach oben: vor den Versammelten taucht die lange, schlaksige Gestalt mit der Armbrust auf, die man durch das Sporenfeld hatte wandern sehen. Ein kurzes Gespräch, dann werden die Waffen wieder gesenkt: es ist der vermisste
Jag Hammer! Allzu erfreut scheint er nicht zu sein, dass seine Schar ihn sucht, und sein Blick irrt immer wieder ins Sporenfeld ab, als suche er etwas aus dem Augenwinkel. Aber er erklärt sich bereit, ins Lager mitzukommen.

Im Camp ist Jag jedoch schon wieder ganz der Alte.
Mischief ohrfeigt ihn und macht ihm eine Szene, wie es nur eine Apokalyptikerin kann, und Jag lacht auf. Die beiden liefern sich eine heroische Keilerei, immer wieder unterbrochen von Küssen. Pack schlägt sich, Pack verträgt sich.

So scheint alles gut zu sein im Lande
Hybrispania. Jag macht sich mit den neuen Elstern vertraut, lässt sich berichten, wie es der Schar in der Zwischenzeit ergangen ist. Doch schon bald ergreift ihn die alte Unruhe wieder, die ihn bis hierhin getrieben hat. Manchmal sitzt er einfach nur da und starrt vor sich hin, oder horcht auf unhörbare Geräusche. Mischief beginnt, sich Sorgen zu machen.


Inzwischen ist es völlig dunkel geworden. Und ein paar alte Bekannte kommen
Mischief besuchen. An der Sporengrenze, im Dunkeln, sind die Umrisse von Avestitenmönchen zu erkennen. Sie erinnern Mischief an ihren Handel: Jaeger gegen Jag. Sie habe ihren Mann zurück - jetzt müsse sie ihren Teil der Abmachung erfüllen. Mischief lacht ihnen ins Gesicht. Der Handel sei nichtig, sie hätte nichts zugestimmt, sagt sie. Die Mönche sind verzweifelt, sie drohen, argumentieren und flehen. Nichts kann sie umstimmen. Frustriert hebt einer der Mönche die Flinte und schießt. Die Apokalyptikerin geht zu Boden, und die schwarzen Formen der Brüder verschwinden in der Nacht - nicht ohne noch einmal mit der Faust zu drohen.




Jag Hammers Rückkehr
Tränen, Küsse und Schläge - und ein geplatzer Handel


Auf dem Weg zur Göttin

Mischief liegt im Fieber, mehr tot als lebendig. Ausgerechnet jetzt hat sich Dr. Degenhardt absentiert, und die Wiedertäufer stümpern mehr schlecht als recht an ihr herum. Und gerade jetzt eröffnet Jag der Schar, dass er noch einmal in das Ruinenfeld gehen wird: er muss sich dem stellen, was ihn dorthin ruft, oder er wird den Verstand verlieren. Das Entsetzen auf Mischiefs Gesicht ist so ehrlich, dass selbst Jag weich wird. Er werde auf sich aufpassen, verspricht er.

Doch wo immer er hingeht, da wird er nicht alleine hingehen. Die
Hells und Täufer kratzen auf der ganzen Station die Filter zusammen, die Apokalyptiker machen ihr bescheidenes Waffenarsenal bereit, selbst der verwundete Falkenberg wird für kampffähig erklärt und in Kaempffers Harnisch gesteckt. Die Reibereien sind vergessen, alle ziehen an einem Strang: der Besuch bei Chroma wird zu einer Delegation in voller Stärke.

Selbst
Mischief ist dabei: sobald die Krieger den Stützpunkt verlassen haben, täuscht sie ihre Bewacher und schleppt sich trotz ihrer Wunde und der Sporen in die Dunkelheit davon.


Flackernde Flämmchen erleuchten die Höhle des Löwen: ein scheinbar leerer Korridor, dicht bewachsen mit Moos und Fäulnis. Vorsichtig tastet man sich voran, einen Schritt nach dem anderen. Ein Wispern und Raunen liegt in der Luft, unzählige Stimmen, mal weit entfernt, mal dicht am Ohr. Sie flüstern. Rühren etwas im Hirn an, das besser schlafend bleiben sollte. Die Stimme der Richterin hallt durch die Flure, die des Preservisten, die Stimmen von längst verlorenen Freunden und Geliebten.

Und dann prallen die Vordersten entsetzt zurück: plötzlich stehen verwachsene Menschen mitten zwischen ihnen, kriechen aus Öffnungen in den Tunnelwänden, wiegen sich im Takt einer unhörbaren Musik, augenlos, die Gliedmaßen verdreht, alles fließende Bewegungen und abgehackte Zuckungen.
Abscheu packt die Kämpfer. Tag, der Specht, reißt die Armbrust hoch und schießt: die Verwachsene vor ihm platzt förmlich auf, als der Bolzen ihre Haut perforiert. Eine Sporenwolke hüllt die Orgiasten ein, die zurückprallen und fluchen.

Chromas Desamparados sind unbewaffnet, aber niemand getraut sich jetzt mehr, auf diese lebenden Sporenbomben zu schießen oder nach ihnen zu schlagen. Die Kämpfer halten Abstand, die Waffen nervös im Anschlag. Die Kehlen krampfen vor Ekel zusammen. Der Geist verwirrt sich durch die hypnotischen Bewegungen der Kreaturen. Schon richtet Dunant ihre Pistole auf Terra, breitet sich irrationale Angst oder Wollust in den Hirnwindungen aus. Die Desamparados greifen nicht an, aber sie versperren den Weg: an ihnen ohne Gewalt vorbeizukommen, ist unmöglich. Und so trifft Jag alleine auf Chroma.

Mit ruckartigen, zögernden Schritten nähert sich der
Apokalyptiker der Psychonautin, die sich vor ihm in den gleichen zuckenden Bewegungen windet wie ihre Brut. Muscheln bedecken ihre Stirn, sie hat keine Augen. Sie winkt ihm. Und er kommt auf sie zu, wie von unsichtbaren Fäden gezogen. Die Desamparados machen ihm Platz, kriechen demütig rückwärts. Die Mitstreiter drücken Jag noch ein Messer in die fühllose Hand, als er sie passiert - für ihn, bevor etwas Unaussprechliches mit ihm geschieht? Oder für die Monstrosität vor ihm? Ihre verzweifelten Rufe hört er nicht mehr, sein Leben fällt wie ein Mantel von ihm ab.

Da hallt
Mischiefs Stimme durch den Korridor. Ohne Maske hat sie sich durch das Sporenfeld gewagt, die schwere Versporung und das Aufbrechen der Wunde in Kauf genommen, halb wahnsinnig vor Angst um Jag. Sie ruft, fleht, kreischt Jag an. Und der Apokalyptiker erwacht. Langsam. Wie jemand, der aus tiefem Wasser gezogen wurde.

Chroma streckt noch die Hand aus, berührt seine Stirn, doch sie weiß, dass sie ihn verloren hat. Und Jag bricht zusammen, vollkommen erschöpft - aber noch er selbst. Die Node zieht sich zurück in ihre Felsspalte. Ob Psychonauten Enttäuschung empfinden können? Die Kämpfer schultern ihren Freund und ergreifen die Flucht. Die Desamparados lassen sie ziehen, folgen ihnen schlurfend in einigem Abstand nach.


Im Lager gibt es zunächst einmal eine monumentale Abkanzelung vom zurückgekehrten
Dr. Degenhardt, der die Versporten nach Haufen schlichtet und alle gefundenen Ex-Vorräte für die Entsporung verabreicht. Die Kämpfer sind von Hustenanfällen geschüttelt, Stirnhöhlen und Lunge sind verstopft. Hinzu kommt der Brechreiz durch das Ex: alles muss raus! Niemand fühlt sich groß auf der Höhe. Ein Triumph sieht anders aus.

Und ein letztes Mal müssen sich die Menschen zusammenrotten, um ihren Stützpunkt zu verteidigen: gegen die Desamparados, die, von
Chroma abgestoßen, ziellos durch die Korridore wanken. Die Menschen weichen aus, versuchen die Kreaturen zurückzustoßen. Erfolglos. Schließlich müssen sie sie niederschießen. Und aus den Wunden platzt die Fäulnis und breitet sich aus.


Sporenwolken ziehen durch die Korridore, auf dem Gras vor dem Gebäude erblüht ein Kreis aus Fäulnis. Nur wenige Räume in den Ruinen sind unversport geblieben, und hier drängen sich die Menschen für die Nacht. Morgen wird man weiterziehen und die Ruinen wieder
Chroma und ihrer Brut überlassen - und den Crístianos und ihrem Heilswahn.



Chromas Ruf
Im Bau der Prägnoktikerin